Normens Weltreise 2 – Alles Zufall?
Mail vom 5. Jul. 2003
Oder die ersten 820 Kilometer!
Da bin ich schon wieder. Tut mir ja schon fast Leid, dass ich schon wieder nerve, aber ich hab ja sonst nix zu tun. Ein paar Leute aus meinem Verteiler haben mir geschrieben, ob das denn nicht ein wenig übertrieben ist, für ein paar Wochen Urlaub eine solche Mail-Lawine loszutreten. Stimmt, für ein paar Wochen wäre das übertrieben. Deshalb habe ich jetzt in die Betreffzeile dieser Mail statt „Normis Reise” einfach Weltreise draus gemacht. Das müsste eigentlich alles klarstellen. Und aus den paar Wochen werden – wenn alles gut geht – ein paar Jahre. Daher auch der Aufwand.
Ich hab übrigens keine Ahnung, was man so in eine solche „ich-informier-aus-Jux-und-Dollerei-einfach-mal-die-Leute-dessen- Mail-Adresse-ich-habe-was-ich-so-mache-Mail-Rundschreiben” reinschreibe.
Man könnte über belangloses berichten: – Auf den ersten 20 Kilometern nach Köln hatte ich sofort ab Kreuz Leverkusen 8 Kilometer Stau! – Außerdem hat es auf dem Weg nach München fast konsequent geregnet!
Das ist doch langweilig, oder nicht? So einen Kram will doch niemand wissen.
Aber was ist interessant?
Eine Beschreibung der Route? Mein Tagesablauf? Die Abenteuer?
Wohl eher letzteres. Aber wie definiert man Abenteuer? Muss ich erst in Afrika mit Löwen kämpfen und meinen verwundeten Oberarm wie John Rambo in der Wildnis selbst ohne Betäubung nähen?
Vielleicht sind es ja auch die Kleinigkeiten, die berichtenswert sind. Ich fand zum Beispiel meine erste Übernachtung in München kurios. Sämtliche meiner fünf Freunde/Bekannte/Verwandte in München waren nicht da oder verhindert. Notgedrungen rief ich dann eine Freundin meines Münchener Freundes an, deren Handy-Nummer ich zufällig auf meiner Liste hatte und fragte, ob ich bei Ihr übernachten könne – „Klar, kein Problem, ich befinde mich jedoch gerade auf Korsika!” – ?!? – Zehn Minuten später rief ich Sie erneut zurück, sie gab mir eine Telefonnummer ihres Bekannten, der Ihre Wohnungsschlüssel hatte. So kam ich in eine „wildfremde” Wohnung in München-Westend, deren Besitzerin einige tausend Kilometer entfernt vom Strand aus eine Schlüsselübergabe organisiert hatte. Vielen Dank Catherine!
Ist das aber jetzt ein Abenteuer, oder nur ein normaler, sich zufällig so ergebener Abend?
War nicht schon der Stau in Köln-Porz eine Anekdote wert? Die Situation: Die A59 ist wegen eines Unfalls gesperrt, der Verkehr steht. Klar, dass ich mich mit dem Moped durchmogele, um wenigstens ein wenig voran zu kommen. Klar, dass ich davon ein Foto machen will. Was sehe ich da plötzlich im Rückspiegel? Da rennt wie so ein bekloppter Terminator ein Polizist hinter mir her. Und wer war es? Nicht ein Streifenpolizist, der mir wegen unerlaubtem Fahren auf dem Standstreifen ein Knöllchen verpassen will, nein, es war der Jens vom Bundesgrenzschutz, ein Freund von mir, der rund eine Stunde zuvor schon bei der großen „Abfahrt” bei mir Zuhause anwesend und nun auf dem Weg zur Arbeit war. Daher das kuriose, beigefügte Foto (siehe Bild 20). Alles Zufall?
In München traf ich zudem ebenfalls zufällig Kurt und Christian wieder. Zwei Reifenexperten von Metzeler, mit denen ich vor rund zwei Jahren in Biarritz/Südfrankreich bei der Sportec-Präsentation zusammengearbeitet hatte. Zufall hin oder her, ich fand’s jedenfalls schön! (siehe Bild 47)
Mir ist bewusst, dass ich nicht über jeden Sack Mehl so detailliert berichten kann, aber ich habe jetzt nun mal Zeit und dazu einen PC zur Verfügung.
Ha, etwas Interessantes gibt es zu berichten. Zumindest ist es für die Leute interessant, die mir beim Bau des Tanks geholfen haben. (Hallo Hotti, Uli, Albert und Womble): Das Ding ist nicht nur dicht, sondern hat beim Tanken ganze 56 Liter aufgenommen – bei schräg abgestellter Maschine. Außerdem war noch ein wenig drin. Und jetzt das unglaubliche: bei Kilometerstand 750 musste ich erst auf Reserve schalten (in Österreich) und da ich ja rund 200 Kilometer Reserve habe, ist das schon eine stolze Reichweite!!! Bis Italien komme ich damit allemal!
Das Foto der beladenen Maschine sieht nicht nur brutal aus, es ist auch unverschämt schwer beladen – ich weiß! Aber ich werde ja noch viel „Ballast” abwerfen. Ein ganzer Sack zum Beispiel sind nur Geschenke für meine algerischen Freunde! Aber ich denke mir, dass so ein Foto ungefähr einen Eindruck hinterlässt, was ich da für einen Schwertransporter bewege. Über Eure Tipps und Tricks bei der Beladung bin ich schon gespannt! Also gebt Euren „Senf” ab! (siehe Bild 53)
So, jetzt habe ich aber keine Lust mehr zu schreiben. Habe ich wirklich schon fast 4000 Zeichen für eine Email zusammengetragen? Demnächst werden die Mails wieder kürzer ausfallen, garantiert. Gerne lese ich bei Gelegenheit Eure Mails und freu mich schon auf „Neues aus der Heimat”.
Viele Grüße
Normen
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