Archiv für die Kategorie 'Afrika'

Mail 53

Samstag, 28. Oktober 2006

Normens Weltreise 53 – Jy praat kak!
Mail vom 09. Nov. 2005

icon.jpgWie konnte ich ahnen, dass ich in Maputo auf ein Rudel „wilder“ Sued Afrikaner treffen wuerde, die so richtig auf klassische Weise dem typischen „Boer“ entsprechen, Afrikaans als erste Sprache sprechen, stereotypisch so aussehen, Saufen wie die Wikinger und auch noch rassistische Zuege haben?

Willkommen zu Manies Grundkurs: Rassismus fuer Anfaenger!

Da ich ein Weisser bin, habe ich die Aufnahmepruefung bereits bestanden, doch bis zur bestandenen Pruefung ist es noch ein weiter Weg. Doch Manie ist sich sicher, dass ich innerhalb einer Woche „verstehen“ werde und bereit zur Pruefung bin. Los geht es mit den Grundlagen:

Der Schwarze an sich ist ein schlechter Mensch, wird daher abfaellig „Kaffer“ genannt, was man sich als die „Nigger“-Variante aus den USA vorstellen kann. Ein Wort, dass man niemals irgendwo im suedlichen Afrika aussprechen sollte, da es einen in erhebliche Schwierigkeiten bringen kann. Da sich Manie jedoch keiner Schuld bewusst ist, ruft er es staendig laut aus seinem grossen Hals heraus.

Frueher war alles besser. Jawohl, damals, als in Sued Afrika noch Apartheid herrschte, ja da ging alles noch geordnet und friedlich zu. Heute, wo die Schwarzen machen koennen was sie wollen, da ist Schluss mit lustig, guten Manieren und einfachem Reichtum. Die Kolonialisierung Mosambiks durch die Portugiesen hatte ausschliesslich positive Effekte – so versichert er mir – was man auf den Strassen eindeutig nachvollziehen kann: frueher war alles prunkvoll, jetzt ist alles kaputt, die Gebaeude vom Verfall bedroht und der Dreck tuermt sich meterhoch. Von Ausbeuterei seitens der Europaeer will er nichts hoeren, das sei alles Luege, die haetten nur Gutes gebracht.

Ja ja, erwidere ich, zu Kaiser Wilhelm’s Zeiten war bei uns auch alles besser: Die Steuern waren erschreckend niedrig, Staus waren unbekannt, es gab weder Arbeitslose noch Gewerkschaften, die CSU dachte noch nicht mal daran, sich selbst zu gruenden und Ideen zu Hartz IV hielt man fuer Science Fiction.

Der Kaffer ist schuld. „Er“ ist verantwortlich fuer schlechte Strassen, korrupte Politiker und steigende Preise auf dem Markt. Interessant ist, dass alle meine Hinweise, dass es in Deutschland keine schwarze Bevoelkerungsmehrheit haben (wir reden hier nicht von der CDU) und es dennoch schlechte Strassen, korrupte Politiker und steigende Preise auf dem Markt gibt, unkommentiert bleiben – trotz Weisser, die dort alles regeln.

In Europa sei das anders, hier in Afrika ist und bleibt der Kaffer schuld: Stau, aaaarrrrgggghhhh, da muessen die Kaffer mal wieder mist gebaut haben, wenn irre Autofahrer im Zickzack durch den Verkehr sausen, dann sind alle Kaffer verrueckt geworden, wie mir Manie versucht klar zu machen. Auch da versuch ich ihn mit Beispielen aus Deutschland zu beruhigen: Verrueckte auf Deutschlands Autobahnen? Reichlich, die fahren sogar S-Klasse und sind WEISS! Irre Ueberholmanoever in der City? Staendig, die nennt man bei uns Idioten, sind weit verbreitet und – Du wirst es nicht glauben – WEISS!

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norm_11973_mail-53_2hoch.jpgDie Guten Zeiten hochleben lassen. Das kann man am besten in melancholischer Stimmung am Abend, wenn die Abendsonne den Himmel in den dollsten Farben erleuchtet. Um aber der besagten Stimmung ein wenig auf die Spruenge zu helfen, falls mal gerade nicht die Sonne nach Plan untergehen will oder es noch zu frueh oder im Ausnahmefall zu spaet ist, ja dann gibt es ja immer noch Alkohol. Da „Saufen“ Manies bester Freund ist, und seine gleichgesinnten Nachbarn ebenfalls an Melancholie in fluessiger Form interessiert sind, treffen sie sich jeden Abend auf Manies Terasse seines Bauwagens.

„Normen, Klippie?“ lautet die gaengigste Frage meines Unterrichtes. Na ja, einen kann ich ja mal probieren und bekomme ein Glas mit einem Drittel „Klipdrift“ Brandy, zwei Dritteln Cola und eine handvoll Eis. Waehrend mir ein Glas des mir fies schmeckenden Gesoeffs reicht, bereitet sich Manie fuer den Abend vor: Eine Kuehltruhe voll Eis, einen Kasten Cola, zwei Flaschen Klipdrift – fuer ihn alleine. Jeden Tag! Das ist natuerlich gelogen. Am heiligen Sonntag fastet er und trinkt nur Cola, schliesslich genoss er eine katholische Erziehung. Und waehrend man die Klippies mit Coke ununterbrochen einschenkt, der Abend sich zur Nacht wandelt, faengt Manie an, den Elektro-Grill anzuschalten und legt Fleisch auf den Grill. Am liebsten „Boerewors“, seine lieblings grobgehakte Bauernwurst. Dazu macht er „Papp“, was in etwa so schmeckt wie es klingt. Interesannterweise ist Papp die suedafrikanische Fassung von „Ugali“, dem gekochten Maismehl, mit dem sich halb (Schwarz-) Afrika zu ernaehren scheint. [siehe Mail 28, Bild 2989].

Als Sosse gibt es braunen Zucker und Butter. Das muss reichen. Manchmal jedoch isst Manie gar nichts, obwohl er stundenlang vor dem Grill sass. Manchmal geniesst er nur die Flammen des Feuers, dass die gluehenden Elektrostaebe beim Verbrennen des austropfendes Fettes entzuenden. Manchmal verzichtet er dann auf eine Mahlzeit und konzentriert sich darauf, die zweite Flashe Klipdrift zu leeren, bevor er dann um ein Uhr nachts ins Bett geht.

Die Nachbarn trinken uebrings „nur“ eine Flasche pro Tag, andere teilen sich gar einen Liter. Ein Gemeinsamkeit haben sie aber: sie hoeren gerne CD’s von Eugene Terreblanche’s Reden, einem rechtsextremen Vorzeige-Rassisten, Apartheid Befuerworter und zielgruppengerechter Mini-Hitler. „Normen, you must listen carfully, it’s a good man!“, bekomme ich gesagt. Im selben Atemzug lerne ich, dass auch Hitler ein guter Mann war – diskutieren zwecklos!

Jy moenie kak praat nie! – „Red nicht so eine Scheisse“, bruellt Manie immer haeufiger. Je spaeter der Abend wird, desto mehr geifern sich die Anwesenden an. Amtssprache dieser Kolonie ist natuerlich Afrikaans, dass die Boeren (man spricht es wie „Buhren“ aus und bedeutet Bauer) im Laufe ihrer Besiedlungsgeschichte entwickelten und dabei das originale hollaendisch verstuemmelten. Manie, der seit 25 Jahren Klipdrift trinkt und theoretisch gar keine Leber mehr haben duerfte, kann man seinen Alkoholpegel nicht ansehen. Nur die Haeufigkeit, mit der er „Jy praat kak“ seinem Gegenueber zuruft, steigt proportional mit dem Promillegehalt.

Versprochen ist versprochen. „Manie“, der laut Ausweis Hermanus mit Vornamen heisst, hat mich mehr als nur einmal darauf hingewiesen, das ich etwas Bestimmtes auf keinen Fall vergessen darf: „You must tell your people that I’m a rassist!“ und er strahlt dabei, als bekomme er in Deutschland dafuer eine Auszeichnung. Und damit steht fest, dass ich niemanden zum Rassisten denunziert habe, nein, das macht Manie schon selber. Na, da bin ich ja fein aus dem Schneider!

Wir fassen zusammen: Als Schueler in Manies kleinem rassistischem Ausbildungslager habe ich in voller Linie versagt. Noch immer sind Manies schwarze Angestellte meine Freunde, Antonio, Manies schwarzer LKW-Fahrer, darf wie ueblich mit mir am selben Tisch essen, bis heute mag ich keinen Brandy mit Coke und eine Abneigung gegen bestimmte Menschen mit anderer Hautfarbe habe ich ebenfalls nicht entwickelt. Man kann sagen, dass ich das Klassenziel nicht erreicht habe. Versetzt werde ich nach Sued Afrika, dass laut Manie „kak“ ist (shit), da Schwarze dort Rechte haetten. Das ist in der Tat kaum auszuhalten und vermutlich der Grund, weshalb sich diese Zielgruppe nach Mosambik abgesetzt hat…

Als ich spaeter Freunden in Johannesburg von meinen Erlebnissen mit Manie berichte, erklaert mir Rick: „Wow, Du hast regelrecht im Herzen der Klipdrift-Society gelebt! Es handelt sich bei diesen speziellen Boeren um einen recht interessanten „Stamm“ – sehr unterhaltsam! Betrachte Deinen Aufenthalt bei den „weissen Kaffern“ als Teil deiner afrikanischen Bildung!“.

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norm_11975_mail-53_2hoch.jpgDoch zurueck nach Mosambik. Ich mache mich auf den Weg nach Sueden, um entlang der Kueste die Grenze nach Sued Afrika bei Kosi-Bay zu passieren. Das schoene ist, dass es auf den letzten hundert Kilometern angeblich keine Strassen gibt und reine Sandpisten auf mich warten. Der Haken allerdings ist, dass meine Reifen fast blank sind, aber ein paar Herausforderungen tun mir ja immer ganz gut. Zunaechst gilt es jedoch die Faehre zu finden, die einen ueber den riesigen Tembe-Fluss in der Hafeneinfahrt bringt. Gefunden ist die Faehre schnell, nur die Beladung dauert etwas. Versucht wird naemlich, das unmoegliche moeglich zu machen. Und wie es in Afrika so ueblich ist, gelingt es ihnen am Ende auch. Es stehen irgendwie mehr Autos und LKW auf dem Deck, als eigentlich draufpassen, jeder Quadratmeter wurde so genutzt, so dass an ein Rangieren nicht mehr zu denken ist. Als Europaaer lernt man mal wieder, dass mit gutem Willen allein logistische Meisterleistungen moeglich sind und dass ueberladene Schiffe trotzdem schwimmen.

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norm_11975_mail-53_4.jpgHarter Boden erwartet mich an der Suedkueste. Das ist nicht nur praktisch fuer abgenutzte Reifen, sondern bringt mich auf flott voran. Da das Blau des indischen Ozeans so unverschaemt schoen leuchtet, nutze ich die Gelegenheit und geh noch mal eine Runde im warmen Wasser schwimmen, da es ab jetzt jeden Kilometer weiter suedlich spuerbar kaelter wird.

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Klassisch afrikanisch sieht die Gegend aus und steiniger Boden, rote Erde, harter Sand sowie weicher Sand wechseln sich nach und nach ab. Faszinierenderweise nimmt die Schoenheit der Landschaft je weiter suedlich ich komme zu und im gleichen Verhaeltnis waechst der Schwierigkeitsgrad, die vollbeladene Ténéré im immer weicheren Sand auf Kurs zu halten. Per GPS steuere ich die Grenze zu Sued Afrika an, da ich mir bei den zahlreichen sandigen Wegen nicht mehr sicher bin, ob ich noch auf dem richtigen Kurs bin. „Noch 500 Meter bis zum Ziel“ – steht im Display des GPS zu lesen. Ich bezweifel die Aussage, da noch immer keine Schilder oder gar eine Strasse zu sehen sind. Stattdessen habe ich mit tiefen Spurrillen im weichen Sand auf extrem engen Wegen zu kaempfen.

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Noch 100 Meter, man kann durch die Baume und Straeucher nichts erkennen. Noch 50 Meter, jawohl, da ist was. Der Sand wird noch weicher, die XTZ kaempft sich mit durchdrehendem Hinterrad, hoher Drehzahl und Zuhilfenahme meiner Beinkraft bis auf fuenf Meter vor die Grenzhuette. Erst dort rolle ich auf Pflastersteinen zum Zoll. Auf suedafrikanischer Seite beginnt dagegen eine langweilige topfebene Teerstrasse. Wie langweilig aber praktisch, denke ich mir, doch lang waehrt meine Freude nicht, da mir der Zoellner kein neues Visum gibt. Mein altes sei noch vier Tage in Suedafrika gueltig, da koenne er nichts machen. Natuerlich koennte er, aber er will nicht! 110 Euro kostet eine Verlaengerung eines bestehenden Visums, sollte man sich im Land befinden.

Daher entschliesse ich mich nach ein paar Tagen wieder auszureisen: nochmal nach Swaziland, da es das naechstgelegene Nachbarland ist. Dort verbringe ich den letzten Tag meines Sued Afrika-Visums und mach mich mit abgelaufenden Visum am naechsten Morgen zur Grenzstation auf: Der Zoellner kontrolliert meinen Pass und sagt: „Hey, Ihr Visum ist abgelaufen, Moment mal, hier haben Sie ein neues!“ und klebt mir gratis einen weiteren kleinen blauen Aufkleber in den Reisepass. So einfach kann das gehen.

Darauf geh ich jetzt einen Klippie trinken,

Normen

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Mail 52

Samstag, 28. Oktober 2006

Normens Weltreise 52 – Klingt komisch, is aber so
Mail vom 26. Sept. 2005

icon.jpgDer grosse Traum vom Leben auf der einsamen Insel. Wer hatte ihn nicht schonmal im Kopf und wuerde ihn beim naechsten Sechser im Lotto einfach umsetzen. Seit fuenf Tagen schaue ich mir auf Maccaneta-Island in Mosambik an, wie das so ist. Nicht wirklich freiwillig. Ein befreundeter Rassist hat mich gebeten, den neuen Pool zu waessern und mir versprochen, mich am naechsten Morgen abzuholen. Ich koenne in der Huette schlafen und etwas zu essen muesse dort auch zu finden sein. Das war vor knapp einer Woche, also heisst die Parole: flexibel bleiben!

Der Cheffe ist gegen Mittag des fuenften Tages immer noch nicht da. So langsam mache ich mir Sorgen, ob „Manie“ ueberhaupt nochmal zurueck kommt. Kann ja sein dass er „Durchgebrannt“ ist und kein Bock mehr auf Mosambik hat. Vielleicht ist er aber auch blos im Knast, weil er die oertlichen Polizisten nicht bestechen wollte oder hat mich einfach vergessen. Kann ja sein. Ist ja auch OK, aber sollte mich nicht irgendwer informieren? Egal, irgendwie werde ich hier schon ueberleben, denn schliesslich finde ich jeden Tag auf’s neue gewisse Nahrungsmittelrestbestaende im Haeuschen.

Ach ja, ich lebe in einer Art Naturhuette mit allem erdenklichen Komfort: Kuehlschrank, Gasherd, Fernseher, DVD-Player und Stereoanlage. Doch bis auf den Gasherd hab ich davon nix, da kein Strom die Steckdosen versorgt. 200 Meter von hier hab ich einen massiven Diesel-Generator in einer Huette entdeckt, der mir so gross erscheint, als koenne er die MS „Queen Elisabeth“ antreiben. Wie um Himmels Willen Starte ich so ein Monster? Doch waehrend ich mich nach Schaltern, Kurbeln und gigantischen Batterien zum Starten umschaue geht mir was noch viel wichtigeres durch den Kopf: Wie stoppe ich den Saurier, wenn er erst einmal laeuft?

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Ich bin allein auf der Insel. Nicht physisch, mehr mental. Zumindest jedoch kulturell, da ich der einzige Weisse bin. Mein Tag beginnt am fruehen Morgen. Ist doch klar, es ist frueh dunkel, nix haelt einen Wach, da fallen einem die Augen beim Lesen schon um 21 Uhr zu. Die 80 Meter zum Strand nehme ich zum Anlass, einen auf sportlich zu machen, jogge zum Indischen Ozean, renne geradewegs in das warme Wasser, schwimme ein paar hundert Meter und laufe wie ein Boxer auf Kampfvorbereitung zurueck zur Huette.

Praktischerweise gibt es eine gasbetriebene warme Dusche in einer Blechbaracke, und so kann der Tag so richtig schoen beginnen. Doch dazu bedarf es ein anstaendiges Fruehstueck. Und da stellt sich das erste Problem ein: Der Kuehlschrank, der ja nicht gekuehlt wird, beherbergt bereits ein paar Lebewesen, von deren Existenz ich bisher nichts wusste. Frischkaese, Dips und Milchprodukte: Yammi, doch ganze Kulturen schauen mich an, als plane Peter Lustig eine Loewenzahn-Sonderfolge „Evolution im Hobbykeller“. Eine Entsorgung scheint unvermeidbar. Ich entdecke einen Schrank mit Konserven. Alles erinnert mich irgendwie an die Produkte, die ich bisher in Afrika im Busch aus Mangeln an Alternativen essen musste: Baked Beans, Mais und Ananas-Scheiben. Hhhmmm, kann man das kombinieren?

Klasse ist ja, wenn man was zu lesen dabei hat. Dann hat man was zu tun und hat stets den Eindruck, man mache was sinnvolles. Wahlweise setzt man sich auf die Veranda oder geniesst am spaeten Nachmittag ein paar Stunden am Strand – ohne sich einer Sonnenbrandgefahr aussetzten zu muessen.

norm_10655_mail-52_1.jpgKlingt bisher ja gar nicht sooooo schlecht. Aber es handelt sich bisher ja auch nur um Tag eins mit der Gewissheit, dass mich mein befreundeter Rassist „Manie“ morgen wie vereinbart abholen will. Aber das macht er ja nicht, wie schon im Vorspann zu lesen war. Daher mache ich an Tag zwei nichts anderes, als meine sportlichen Aktivitaeten zu wiederholen und beende das mitgebrachte Buch. Konserven Eintopf am Abend runden die Sache ab. Sagen wir mal so, zumindest hab ich keinen Hunger mehr. Der dritte Tag beginnt und sieht aus wie die ersten beiden Tage, von Abwechslung kann man nicht wirklich sprechen. Irgendwie bin ich mir sicher, dass Manie heute kommt, was jedoch nicht rationalen Gruenden unterliegt, sondern scheinbar meiner Erwartungshaltung entspricht. Tag vier beginnt und ich beginne umzudenken. Warum soll ich mich aufregen ueber jemanden, der mich auf einer Insel absetzt und nicht zurueckkommt? Bringt natuerlich nichts und daher sollte ich die Zeit einfach geniessen.

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norm_10655_mail-52_4.jpgUnd das mache ich mit ausgepraegten Wanderungen. Stundenlang unbekanntes Gebiet erkunden, seltsame Pflanzen betrachten, die aussehen, als haette jemand eine musterverzierte gigantische Karotte im Ananas-Format in eine Bodenpalme gesteckt. Was auch immer das ist, ich werde es nicht essen. Ach ja, Begleitung habe ich auch gefunden. Oder anders herum. „Dog“ bleibt die ganze Zeit bei mir, ist von irgendwoher gekommen und macht einen auf anhaenglich. Guckt aber niedlich, bellt nicht und darf daher bleiben. Den Pool waesser ich auch noch gelegentlich, aber nicht mehr so richtig ernsthaft, da Manie ja nur von einem Abend gesprochen hat und weitere Anweisungen fehlen. Traditionell setzte ich mich am Abend auf die Duenen und geniesse den Sonnenuntergang. Was soll ich auch sonst machen, ausser die mosambikische Bierflaschen-Collection aus dem Regal in sentimentaler Stimmung zu leeren. Ausserdem bin ich Millionaer. Dumm ist nur, dass es hier keinen Shop gibt, wo ich die Kohle loswerden koennte. Nur der Typ mit dem Mr. Bean T-Shirt hat mir ein paar Tausend fuer die Fahere abgeknoepft. Eine Millionen Meticas habe ich in der Tasche, was vielleicht nicht wirklich viel ist, sich aber dennoch schoen anhoert. Wie lange ich das wohl noch geniessen kann?
(siehe Fotos 10655,10658)

Seltsam ist, dass die Ungewissheit meiner Meinung nach der einzige Faktor ist, weshalb man sich an solch idyllischen Orten unwohl fuehlt. Erst wenn man dieses Gefuehl „ablegt“, empfindet man die Sache als interessant. Zumindest ist das bei mir so. Ich akzeptiere also meine unfreiwillige Situation und betrachte sie als Teil eines Abenteuers, das man nicht planen konnte und auch nicht das selbe waere, haette ich im Voraus gewusst, dass ich hier so lange bleiben werde.

Wie also beginnt man, die Einsame-Insel-Situation als positiv zu betrachten? Richtig, man geht in Gedanken durch saemtliche Erinnerungen an Einsame-Insel-Survival-Filme und vergleicht deren Situationen mit der eigenen. Und siehe da: Meine Lage ist ja geradezu laecherlich. Ich muss weder Wuermer essen, Tiere jagen oder Regenwasser sammeln, nein, ich ernaehre mich von Kuehlschrank Restbestaenden, Konserven und Spaghetti ohne Sosse. Sogenannte Freunde von mir und solche, die vorgeben mich zu kennen, werden jetzt vielleicht denken, dass ich doch Zuhause nix anderes esse und daher die Sache fuer mich ueberhaupt kein Problem darstellen duerfte. Und vielleicht haben sie damit auch nicht ganz Unrecht.

Dennoch entschliesse ich mich fuer frischen Fisch. Den gibt’s natuerlich frueh am Morgen, wenn die einheimischen Fischer in meiner Tiefschlafphase ihre Boote nach der Arbeit an den Strand zerren. Was tut man nicht alles fuer einen extrem frischen Fischstaebchen-Bausatz. Ich steh dafuer jedenfalls mitten in der Nacht auf (5:30).

Der Plan geht auf, der fuenfte Tag faengt unverschaemt frueh an und nur wenig spaeter kaufe ich den Spezialisten am Strand fuer ein paar tausend Meticas (ist nicht viel) einen Batzen Fisch ab, lasse mir ihn noch am Strand ausnehmen, damit ich selbst mit der Sauerei in der Kueche nichts zu tun habe. Hhhhmmmmm, gebratener Fisch pur mit leckeren Gewuerzen ist schon eine feine Sache. Gluecklicherweise ist das eine schier unerschoepfliche Nahrungsquelle, was mein Dasein hier erneut vereinfacht (verglichen mit den Freaks die nach einigen einsamen Insel-Jahren mit einem Volleyball sprechen).

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Und dann sind da noch die Dinge, die man sonst so macht, wenn man nichts anderes zu tun hat. So dachte ich mir, machste doch einfach mal ein paar Fotos. Die mach ich zwar grundsaetzlich sowieso, dachte mir aber, dass ich irgendwie „kreativer“ sein muesste, wenn man schon an exotischen Orten feststeckt. Nur so ist zu erklaeren, dass ich mir einbildete, dass Spruenge in die Luft am Strand eine wahnsinnige Idee sei, was ich jedoch noch toppen konnte mit Fotos, die in der Brandung ohne wasserdichtes Gehaeuse entstanden. Wellen aus naechster Naehe fotografieren, dort wo man sich normalerweise auf ein Surfboard stellt. Normalerweise wuerd ich ja aus Angst die Kamera zu zerstoeren solche Experimente gar nicht erst wagen, aber das zeigt erneut, dass man schon seltsame Dinge macht, wenn man versucht seinen unbestimmten Inselaufenthalt „sinnvoll“ zu nutzen (siehe Fotos 10656, 10659).

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Der Nachmittag von Tag fuenf bringt erneut eine Ueberraschung: Manie ist zurueck! Er berichtet, dass er „kurz“ nach Sued Afrika musste, daher hat er mich nicht mehr abgeholt. „Was, Du faehrst mal eben fuer ein paar Tage nach Nelspruit (Sued Afrika) waehrend ich hier alleine auf der Insel verrotte?“ – so meine nicht ganz ernst gemeinte Reaktion. „Klar“, erwidert Manie, glaubte er sich doch sicher zu sein, dass ich damit schon klar kommen wuerde, schliesslich muesste man als Weltreisender doch flexibel sein. Und waehrend er sich keiner Schuld bewusst ist, keinen Funken von schlechtem Gewissen zeigt, noch nicht einmal was zu essen mitgebracht hat, fragt er mich ganz nebenlaeufig, ob ich noch eine Nachte bleiben koenne, den Pool waessern, er wuerde mich auch Morgen frueh ganz sicher abholen!

Ich habe nicht lange gezoegert und zugestimmt. Klingt komisch, is aber so!

Normen

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Mail 51

Samstag, 28. Oktober 2006

Normens Weltreise 51 – Palim-Palim
Mail vom 16. August 2005

icon.jpgRuhe bitte, es ist auch fuer mich die siebte Stunde! – Dieser Klassiker aus der Schulbranche, von Generationen von Lehrern verwendet, muss doch mal geehrt werden. Nicht fragen, wie ich ausgerechnet jetzt darauf komme. Auf dem Lehrplan steht Erdkunde. Heute: Swasiland. Nicht lachen, ein Land mit diesem Namen gibt es wirklich.

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Aehnlich wie Bayern ist Swasiand ein Gebiet, das kein anderes Land haben will. Wuerde es dort irgendwas interessantes und wertvolles geben oder es gar strategisch von Bedeutung sein, ja dann haette es sich wohl irgendein Kolonialherr der damaligen Zeit unter den Nagel gerissen. Aber nein, noch nicht einmal Sued Afrika hielt es fuer noetig, sich eine weitere Provinz zuzulegen, was militaerisch gesehen nicht schwierig geworden waere.

Warum gibt es dann ueberhaupt Swasiland, werden sich jetzt die einen oder anderen Fragen. Dabei ist die Antwort relativ einfach: Weil es dort seit vielen, vielen Generationen eine pfiffige Koenigsfamilie gibt, die ihre persoenlichen Vorlieben im Gesetzbuch verankert haben und diese dem Volk als „Tradition“ verkaufen. Fassen wir uns also kurz (siebte Stunde, da hat keiner mehr Bock was zu lernen) und kommen auf die wesentlichen Punkte zu sprechen.

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Fakten
Swasiland ist ein kleiner Klecks auf der Landkarte im suedlichen Afrika. Man findet es umgeben von Suedafrika, Mosambik und Simbabwe, in der Naehe vom beruehmten Krueger-Nationalpark. Wem die wissenschaftlich genaue Beschreibung „Klecks“ nicht genau genug ist, der bekommt ein paar exakte „etwa“-Werte praesentiert: Swasiland ist mit 17200 km² etwa halb so gross wie Holland oder etwa sechseinhalb mal so gross wie Luxemburg, oder etwas groesser als Osttimor oder etwas kleiner als Fidschi.

Eine Millionen Einwohner kann das Land vorweisen, was mal wieder der Gesamtbevoelkerung von Koeln entspricht. Und vergleicht man die Bevoelkerungsdichte von 59 Einwohner pro Quadratkilometer mit der von den Niederlanden (466 Einw./km²), koennte man glatt meinen, das Land stehe leer. Und weil wir alle wissen, wie wichtig das Auswendiglernen von Hauptstaedten ist, behalten wir uns „Mbabane“ einfach fuer die naechste Folge von „Wer wird Millionaer“ in Erinnerung.

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Was ist sonst noch wichtig fuer die Allgemeinbildung? Die Swasis sprechen entweder Siswati oder Zulu und sollte jemand vorhaben, Gebauede im 70er-Jahre Stil zu bauen, Swasiland exportiert noch immer fleissig Asbest.

Polygamie
Kaum zu glauben, aber der Koenig macht es vor und das Volk wuerde auch gerne: Auf stolze 100 Ehefrauen brachte es Koenig Sobhuza, das macht unterm Strich rund 600 Kinder (ohne Scheiss!). Sein Nachfolger und Sohn muss noch viel lernen, denn er hat „nur“ rund 20 Frauen, noch weniger Nachkommen, aber dafuer Besitzt jede einzelne Haaremsdame zumindest einen BMW X5. Der Tipp eines Einheimischen bringt zudem auf den Punkt: „Siehst Du einen X5 im Rueckspiegel, fahr am besten an den Strassenrand, es koennte eine der „Prinzessinen“ sein, und die koennen nicht Autofahren!“

Einmal im Jahr macht der Koenig einen auf „Jury“ seiner eigenen Tanzveranstaltung, laedt alle jungen Damen des Landes (unter 16) zu „Swasiland sucht den Superstar“ ein und heiratet die Finalistin – jedes Jahr.

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Kohle
Kaum zu glauben, aber auch Swaziland hat eine eigene Waehrung, kurz: Emalangeni. Zu meiner Belustigung befindet sich auf der Rueckseite ein Mercedes-LKW, dessen Stern eindeutig erkennbar ist. Product-Placement auf Geldscheinen – das haben noch nicht einmal Amerikaner bisher geschafft, Respekt! Bezahlen kann man aber auch in Rand, der im uebrigen eins-zu-eins angenommen oder auf Wunsch gewechselt wird (Siehe Foto 10334).

Buerokratie
Kaum zu glauben, aber in diesem Punkt sind die hier so richtig Fuchs! Meinen Namen muss ich beim Eingang zum Mlilwane Wildlife Sanctury dreimal auf dem Klemmblock eintragen, drei Blaetter, die natuerlich nur der Ordnung halber wegen gruendlich ausgefuellt werden muessen. Nur einige Kilometer weiter im Backpacker muss ich mich nur einmal eintragen, aber gleich danach nochmal, da ich was zu Essen fuer den Abend bestellt habe. Beim Verlassen des Parks muss ich eine Menge Papiere vorzeigen und mich natuerlich auch noch abmelden. Niedlich ist auch, dass keiner die Papiere, die ich an der Grenze bekommen habe, auch kontrolliert. Es klang anfangs so, als wolle jeder meine „Road Toll Fees“-Bescheinigung sehen, wenn ich in diesem Land irgendwo anhalte. Dazu muss man wissen, dass mich dieses Dokument mit einem handgeschriebenen Eintrag meines Kennzeichens und einem Stempel drauf glatte 0,50 Eurocents gekostet hat.

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norm_10333_mail_51_3.jpgEindruck
Es geht erstaunlich geordnet zu in Swaziland. Alles hat mehr oder weniger seine Ordnung, was wohlmoeglich daran liegt, dass die Leute gerne Anweisungen folgen. Zudem kommt noch, dass sich das Land bei Einreise aus dem Sueden dem Spessart aehnelt, wie man es von der A3 Richtung Wuerzburg her kennt. Spaeter aendert sich die ueberwiegend bewaldete Landschaft in eine mehr huegelige Gegend, die dann mehr aussieht wie das Bergische Land in Nordrhein-Westfalen. Wahlweise hat man darueber hinaus die Moeglichkeit, sich seine persoenliche Klimazone auszusuchen. Waehrend der aktuellen Winterzeit sollte man meinen, das Frost gang und gaebe ist. Schattig kuehl ist es im Westen und sogar richtigen Nebel haben die in den Bergen, wogegen man Richtung Osten auf muckelig warme Temperaturen hoffen darf, denn an dort endet das Land und Mosambik beginnt. Und der Mosambikaner an sich ist nicht gerade ein Freund von Frost in irgendeiner Form.

Tierchen
Im Gegensatz zu anderen Laendern legen die Leute in Swasiland einen Swimmingpool am Fluss an, damit Gaeste des Landes dort baden koennen. Um die Sache abzurunden, stellen sie ein Schild auf, das auf Krokodile hinweist, so dass sie versicherungstechnisch aus dem Schneider sind, falls mal wieder einer gefressen wird. Ganz schoen clever! Ausserdem legen sich im Mlilwane-Game-Reserve die Wildschweine von alleine ins Feuer, so das man den Touris die frischsten aller Wildschwein-Steaks servieren kann, die noch zu Lebzeiten als „Medium“ bezeichnet werden koennen. Interessanterweise sieht beim genauen Hinsehen der Baumstamm hinter dem vorderen Wildschwein ebenfalls aus wie ein Wildschwein. Hab ich zuviel Phantsie oder sieht das noch jemand anders?

Und sonst?
Da faehrt man ahnungslos durch die Gegend und was taucht da am Horizont auf? Na klar, die Rider Ranch! Was sonst wuerde man mitten in Swasiland erwarten. Ich schau natuerlich rein, entdecke eine riesige Bar in einer riesigen Halle, die mit zahlreichen japanischen Bigbikes geschmueckt ist. Es scheint, als koennen sich hier ein paar tausend „Biker“ so richtig austoben. Draussen befindet sich eine Rennstrecke, an deren Kurven ein paar tausend alte Renn- und Enduroreifen liegen. Natuerlich schau ich mich nach ein paar Reserverefen um und muss zu meiner Verwunderung gestehen, dass sich unter der Reifenbergen nicht eine einzige 18-Zoll-Groesse befindet. Seltsam. Ich unterhalte mich mit dem Cheffe. Fuer fuenf Euro koenne ich hier campieren. OK, niemand ist da, keine stoerenden Biker, keine lauten Burnouts aber eben auch keine Dusche. Wie oft kommen denn die Biker hierhin, frage ich. Einmal im Jahr, antwortet er. Und was macht ihr hier den Rest des Jahres? Warten! Das nenn ich Geduld!

Fasziniert hat mich auch das Gespraech mit zwei waschechten Swasis, die ich irgendwo in den Bergen bei einer Pause traf. Ich stehe Rede und Antwort fuer ihre brennendsten Fragen:

Warum bekommen nur Schwarze Menschen AIDS? Schuetzen Kondome wirklich? Warum haben George Bush und Tony Blair AIDS erfunden? Wollen sie die Weltherrschaft an sich reissen? Wie kann ich das erklaeren? Ich versuche so gut es geht die Fragen zu beantworten und erklaere ihnen vorsichtig, dass es AIDS schon seit 1983 gibt, als die beiden Staatsoberhaeupter noch gar nicht aktiv waren. Ihre Reaktion: Trotzdem hat das George Bush erfunden! Irgendwer muss ja Schuld sein.

Nach diesen kurzen Anekdoten und traditionellen Eindruecken verabschiede ich mich mit einem lauten „Palim-Palim“, wie der Swasinese so schoen sagt. Oder verwechsle ich da was und es war Dieter Hallervorden? Ich weiss auch nicht mehr so genau….

Normen

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Mail 50

Samstag, 28. Oktober 2006

Normens Weltreise 50 – Roadmovie
Mail vom 3. August 2005

icon.jpgIch befinde mich hier live in Deutsch-Sued-West-Afrika (ehemals), wo es noch anstaendige Strassen gibt (na ja, geht so) und muss sagen, es ist ein herrliches Gefuehl (gelogen).

Man nehme ein grosses Stueck Land eine handvoll Einwohner leben, fuelle es mit geografisch schoen verteilten Sehenswuerdigkeiten, fertig ist Deutschlands letzte Kolonie Namibia! (gleich nach Mallorca). Und wenn man jetzt noch ein eigenes Fahrzeug hat (es gibt praktisch keinen oeffentlichen Nahverkehr), kann es auch schon losgehen.

Wie es sich fuer ein klassisches amerikanisches „Roadmovie“ gehoert, braucht man fuer die langen Distanzen in der Wueste einen fetten Chevrolet (Toyota), zwangsweise einen dicken 5,8-Liter V8-Motor (1,6 Liter Vierzylinder), wegen der Hitze eine Kuehlbox fuer die Bierdosen (Klima-Anlage) und aus der Anlage schallt Country-Musik (namibisches Radio, Deutscher Sender mit importierter Schlagermusik und Knaller-Suchmeldungen im Kindergartenstil, ich zitiere: Eine Katze ist in Swakopmund entlaufen. Muschi hat ein gestreiftes Fell und guckt ganz niedlich).

Die erste Fahrt geht zum Flughafen, um meine „Ehrengaeste“ (klingt gut) abzuholen. Es sind meine Eltern, die sich wohl nach knapp zwei Jahren gedacht haben, doch mal ihren „Jung“ in Afrika zu besuchen. Muss ja was dran sein an diesem Kontinent, wenn der sich unerwartet so lange dort rumtreibt (stimmt).

Nach der freudigen Begruessung fragt mein Vater, ob alles geplant und gebucht sei, worauf ich antworte, dass alles geplant und gebucht ist (gelogen) wogegen meine Mutter daran zweifelt, dass alles geplant und gebucht ist. Sie ahnt das Gegenteil, womit sie ja auch Recht hat (kennt mich gut).

Sparen wir uns den klassischen „dann-sind-wir-von-A-nach-B-gefahren“-Reisebericht und kommen zu den sogenannten Highlights der namibischen Tourismusbranche. Dazu muss man wissen, das die Sehenswuerdigkeiten gerecht von der Tourismusbehoerde ueber die Landflaeche verteilt wurden, damit auch ja alle Ecken Namibias angesteuert werden. Gefuehlsmaessig zieht sich das Land ein wenig in die Laenge, was vielleicht daran liegt, das es etwa so gross ist wie Deutschland, Italien und England zusammen. Und das bei einer Gesamtbevoelkerung von 1,6 Millionen, was widerum der gemeinsamen Einwohnerzahl von Koeln und Leverkusen entspricht.

Wer an Namibia denkt, der denkt als erstes garantiert an die Sandduenen von Sossusvlei (Rheinlaender denken beim Gedaken an Namibia an ein Land, das a) irgendwo in Afrika ist, b) ……..oder c) an gar nichts).

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norm_10200_mail-50_4.jpgAlso auf nach Solitaire, da dies der letzte Ort vor den teuren Hotels und Lodges ist, um von dort aus in rund 150 Kilometer Entfernung ueber rallyemaessige Pisten Richtung Sossusvlei zu ballern. Das schoene an Solitair ist, das es schoen ist und damit kein billiger Uebernachtungs-Notnagel (Ok, die Tankstelle und der Kram drumherum im staubigen „Zentrum“ sind nicht direkt als schoen zu bezeichnen, aber je weiter man sich entfernt, um so schoener wird es) (siehe Foto 10201, o.l.).

Eindeutig schoen und ohne Zweifel eine Reise Wert sind dann schliesslich die Duenen im Naukluft-Nationalpark. Am Eingangsbereich des Parks endet die herrliche Piste und eine Strasse fuehrt in die Sackgasse der beruehmtesten Duenen Afrikas. Entschuldigung, eine miserable Strasse, eine mit kratergrossen Schlagloechern, ein von Teer-Restbestaenden zusammengehaltener Staubfaenger. Um es kurz zu machen: eine Scheiss-Strasse. Links und rechts sieht man Duenen. Nach 40 Kilometern laed „Duene 47“ zum Wandern ein. Nicht das man haette mitzaehlen koennen, an wievielen Duenen man bisher vorbei fuhr, aber ein Schild mit Parkplatzsymbol und Duenennummer verleitet uns schlussendlich zur Erstbesteigung (siehe Foto 10200, o.r.).

Vielleicht ist dies die richtige Zeit, dieses Kapitel in einen Ratgeber Namibia zu verwandeln. Die Informationsflut ueber saemtliche „da-musst-Du-gewesen-sein“-Orte ist gewaltig, eine optimale Reihenfolge der Besuchsstaetten existiert nicht und der Blick auf die Landkarte sorgt durch die schiere Groesse mehr fuer Verwirrung als fuer Uebersicht. Doch damit ist jetzt Schluss, denn jetzt gibt es „Normens Wahrheit ueber Namibia – eine subjektive Beschreibung und unbedeutende Meinung eines unwichtigen Reisenden“. Na wenn das kein Knaller wird.

Namib-Naukluft-Nationalpark
Wer eine miserable Scheiss-Strasse von 60 Kilometer Laenge nicht fuerchtet, der wird seinen Aufenthalt hier geniessen. Erstes Highlight ist Duene 47, die nicht nur wunderschoen, sondern auch sehr hoch ist. Die Aussicht ist prima und eigentlich kann man nach der Besteigung die paar hundert Meter einfach die steile Sandflanke hinunterrennen, zumindest wenn gluehend heisser Sand auf purer Haut als nicht stoerend empfunden wird.

30 Kilometer weiter endet die Sch…-Strasse auf einem Parkplatz. Ein Rudel Abzocker mit Gelaendewagen steht dort bereit, um fuer die verbliebenen drei Kilometer Weichsand jedem Touristen knappe 20 Dollar abzuknuepfen. Ein Fussmarsch oder auf Neuenglisch „Hiking-Trip“ ist dagegen interesannter und taugt fuer einen Sack voller „wie-ich-damals-fast-in-der-Wueste-verdurstete“-Fotos. In der Duenen-Sackgasse angekommen bietet sich dem Touri folgenden Option: rechts zu den Sossusvlei-Duenen oder links zu den Deadvlei-Duenen. Alles ist furchtbar fotogen, herrlich zum geniessen und knacke heiss.

Der Weg zur Kueste
Saemtliche Pisten, die vom Naukluft-Park Richtung Kueste fuehren sind phenomenal. Vielleicht nicht die Pisten an sich, aber die Gegend drumherum. Der Himmel ist definitv blauer als in Europa, der Fernblick dem auf offener See vergleichbar, die Wuestenlandschaften extrem faszinierend und Schilder wie das „Rostock Ritz“ sorgen fuer Unterhaltung. Zumindest fuer Bundesdeutsche Touristen.

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Walvisbay
Das schoenste an Walvisbay sind die Duenen, die sich rund 10 Kilometer vor der Stadt angesiedelt haben. „Dune 7“ steht auf dem Schild und das Ding steht nicht nur in einer ansonten flachen Landschaft, sondern ist mit geschaetzten 250 Metern auch richtig hoch. Ein Stop hier ist obligatorisch, ein paar Rollen Film ebenfalls (siehe Foto 10206, o.l.). Walvisbay selber ist ein haesslicher Ort mit fettem Industriehafen, den man am besten schnell hinter sich laesst und weiter noerdlich nach Swakopmund faehrt.

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norm_10207_mail-50_3.jpgnorm_10207_mail-50_4hoch.jpgSwakopmund
Nach El Arenal auf Mallorca ist weltweit betrachtet Swakopmund die Stadt mit dem wohl ausgepraegtesten Deutschen Einfluss. Vom Deutschen Metzger ueber die Kaiser-Wilhelm-Allee bis zum „Prinzessin Rupprecht Heim“ ist dort alles vorhanden, was der Mallorca-Urlauber erwartet (siehe Foto 10207,u.r.). Trotz Suedafrikanischem Autokennzeichen begruesst einen das Restaurantpersonal in vertrauter Sprache, das Menu ist auf Hochdeutsch verfasst und ein Weizenbier ist auch stets verfuegbar. Gefruehstueckt wird fuer wenig Geld im Café „Zur Post“, wo vom Kaennchen bis zum Schnittchen alles serviert wird. Die Strassen der zweitgroessten Stadt Namibias sind etwa 30 Meter breit und nennenswerter Verkehr ist praktisch nicht vorhanden. Spaet in der Nacht, also gegen 20:45 Uhr, sind auf der Hauptstrasse nur noch sich selbst fotografierende Touristen zu sehen (siehe Foto 10205, u.r.)

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Die Kueste
Das Wasser des Atlantiks ist eisekalt und taugt nicht wirklich zum Schwimmen. Den Seehunden ist’s egal und muessen sich demnach ihren Lebensraum auch nicht mit Badekappentraegern teilen. Strandspaziergaenger geniessen die Nordeeatmosphaere und fuer Angler ist es ein Paradies. Geruechten zu Folge soll die Wassertemperatur erst im Nachbarland Angola spuerbar ansteigen.

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norm_10208_mail-50_3.jpgnorm_10208_mail-50_4.jpgDer Nordwesten
Weg von der Kueste schlaengelt sich die jeweiligen Pisten um einige hundert Meter in die Hoehe und fuehren zu einigen Highlights der Region. Erstes Ziel ist der „Verbrannte Berg“, der aber gar kein verbrannter Berg ist aber aussieht wie ein verbrannter Berg oder zumindest wie ein Stueck Gelsenkirchener Kohlenhalde. Weil optisch alles kohlenschwarz ist, koennte man diesen Bereich ganz einfach mit Liegstuehlen versehen und in eine Open-Air-Sauna verwandeln.
Danach steht auch die „Twyfelfontain“ auf dem Programm, was auf gut Deutsch „zweifelhafte Quelle“ bedeutet. Netterweise findet man dort mit Hilfe eines Rangers nicht nur die klitzekleine Quelle, sondern auch 600 Jahre alte Planzen, tolle Felsmalereien vergangener Kulturen und einige seltsame Felsformationen. Definitiv einen Besuch wert (siehe Foto 10208, o.l.).
Und wenn man schonmal auf dem Weg ist, sollte man den „Petrified Forrest“ nicht auslassen. Der Ausdruck „versteinerter Wald“ ist zwar ein wenig uebertrieben, aber in der Tat liegen dort einige Baumstaemme rum. Klingt aeusserst unspektakulaer, ist aber aber ueberraschend interessant. Kompliment an Mutter „Magic“ Natur, die es hier geschafft hat, Holz in Stein umzuwandeln (siehe Foto 10201, u.l.).

Die Etosha Pfanne
Der groesste Nationalpark des Landes ist beruehmt fuer seinen hohen „Wildlife“-Bestand, insbesondere fuer seine zahlreichen Elefanten. Die Chance, hier keine Elefanten zu sehen, ist fast ausgeschlossen (wir haben keine gesehen, dafuer gigantische Mengen Elefantenscheisse auf den Pisten). Drei „Doerfer“ bieten im Park Touristen Uebernachtungsmoeglichkeiten und traditionell faehrt man in drei Tagen von einer Lodge zur naechsten und beobachtet bei schoenstem Sonnenschein den ganzen Tag Tiere aus dem Auto. (Wir blieben nur zwei Tage und hatten konsequentes Regenwetter). Immerhin stehen ueberall Zebras herum, hin und wieder schauen Giraffen nach dem Rechten, Schakale laufen auf der Suche nach einem Springbock-Imbiss durch die Gegend und wenn es vielleicht nicht gerade wie aus Eimern regnet, sind Elefanten und Loewen ebenfalls gern gesehene Gaeste. Manchmal kommen gefiederte Punks ans Auto und klopfen an die Scheibe (siehe Foto 10202).

Der Nordosten
Hier in der Gegend von Tsuneb besucht man je nach Lust und Laune einen Meteoriten. Der Klotz aus reinem Eisen ist mittelmaessig fotogen aber immerhin nicht von dieser Welt. Wer von ausserirdischen Steinen nichts haelt, kann sich dagegen aufmachen, den Waterberg zu besteigen. Mit Ausdauer und Klettergeschick lohnt sich ein Tagesbesuch allemal. Und wenn man in der Gegend wieder auf asphaltierte Strassen trifft und Glueck hat, faehrt man nicht ueber Leoparden, die hier zwar flott aber durchaus knapp die Strassenseite wechseln (siehe Foto 10201, o.r.).

Windhoek
Die Haupstadt ist im Zentrum des Landes angesiedelt und mehr als zwei Tage brauch man sich dort nicht aufhalten. Es gibt viel Deutsche Kultur, Kirchen und Statuen, aber fliegt man normalerweise nicht 8000 Kilometer weit weg, um mal was anderes zu sehen? Wer mag kann in Deutschen Cafés und Restaurants wie „Joe’s Bierhaus“ essen gehen (siehe Foto 10209, u.l.), dem Deutschen Sportclub beitreten oder eine Brauerei besuchen, die sich ans Deutsche Reihnheitsgebot haelt. Man kann aber auch einfach nur im Stadtzentrum spazieren gehen und sich mit afrikanischen Souvenirs eindecken. (siehe Foto 10209, u.r.).

Fishriver Canyon
Endlich mal beeindruckendes. Zumindest macht die Sicht in den riesigen Canyon was her. Ebenfalls beeindruckend ist die gnadenlose Hitze in der Gegend und die Tatsache, das jedes mal, wenn man viel Eintritsgeld fuer einen Nationalpark bezahlt, sich eine bis dahin gute Piste in eine Scheiss-Strasse verwandelt! Dennoch lohnt sich der Ausflug dorthin, auch wenn der „Geheimtipp“, vier Tage mit Campingausruestung bei 40 Grad im nicht vorhanden Schatten durch den Canyon zu wandern, vielleicht nicht jedermanns Sache ist. (siehe Foto 10203, l.o.)

Ais-Ais
Das Ziel der Fishriver-Canyon-Wanderung ist auch gleichzeitig Anlaufpunkt saemtlicher Touristen der Region. Die heissen Quellen von Ais-Ais. Die wohl beeindruckendste und schoenste Piste der Gegend fuehrt per Schlangenlinie steil bergab direkt zum Fishriver-Fluss. Ganz klar, da muss man bleiben – heisst es. In Wirklichkeit sieht die Sache so aus: Ein freundlicher Schranken-Waechter nimmt die Daten zur Person auf und fragt, wieviele Tage wir hier uebernachten wollen. Wir wissen es nicht, da wir erst einmal sehen wollen, wo wir denn da ueberhaupt gelandet sind. Zweite Ueberraschung: Die Preise in unserem aktuellen Namibischen Hotelfuehrer sind viel zu niedrig, die wahren Preise sind wesentlich hoeher. Dritte Ueberraschung: Die Wassertemperatur der Ais-Ais-Quelle betraegt mucklig warme 65 Grad (!!!), an ein Bad ist damit nicht zu denken. Noch nicht mal Spuelen kann man mit so heissem Wasser, ohne sich die Haende zu verbrennen! Vierte Ueberraschung: Der Fluss (kaltes Wasser) ist dreckig, die Stroemung zu stark und damit auch nicht sehr einladend zum Baden. Also: Die Piste nach Ais-Ais ist extrem abgefahren, das Resort selber nicht wirklich empfehlenswert.

Orange River
Direkt an der Grenze zu Suedafrika beginnt im suedlichsten Zipfel Namibias der Orange River. Und den lohnt es sich, nach Norden zu begleiten. Wenn schon die Piste nach Ais-Ais abgefahren war, dann dreht die Natur auf dieser Strecke so richtig ab. Die Natuer wechselt alle 20 Kilometer die Optik und schafft es dabei jedoch, jedesmal nach beindruckender auf den Betrachter zu wirken. Nie zuvor sah ich Steine in einer solchen unterschiedlichen Bandbreite: Als Felswaende, in Kloetzchenformation, gestapelt, aufgereiht, verschachtelt, in weiss, schwarz, gelb, organge und grau, in Vulkan-, Pyramiden- und Kegelformation, sowie noch einigen anderen tausend Konstellationen. In einem Ort namens „Aus“ endet die Piste und eine der seltenen Teerstrassen fuehrt nach Luederitz (siehe Foto 10201, u.r. und 10206, o.r.).

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norm_10204_mail-50_4.jpgLuederitz
Der Weg nach Luederitz ist lang und einsam (siehe Foto 10206, u.l.). Wildpferde kreuzen laut Aussage der Warnschilder die Strasse und nach rund 100 Kilometern endet die Route. Willkommen in Luederitz, einer Sackgasse zwischen Namib-Naukluft-Park und Diamanten-Sperrgebiet. Der erste Gedanke ist: Was um Himmels Willen veranlasst Menschen, sich hier niederzulassen? OK, das Staedtchen ist recht ansehlich, man spricht Deutsch, es gibt pfiffige Restaurants, einige nette Ausflugsziele, Erdinger, Warsteiner und Deutsche Kegelclubs. Da fragt sich der ein oder andere: Was will man mehr? Was unterscheidet also Luederitz von Duesseldorf? Vielleicht die Wueste im Hinterland, die von Duenen gefressenen Eisenbahnschienen, die Geisterstadt oder gar totale Isolation? Eine Nacht in Luederitz, am namibischen Ende der Welt sollte daher ausreichend sein (siehe Foto 10209, o.l.).

Doerfer und Schloesser
Nach den gigantischen Staedten wie Windhoek, Swakopmund und Luederitz sollte man die kleinen Doerfer nicht vergessen: Helmeringhausen zum Beispiel. Liegt mitten im Nichts, irgendwo in der Wueste und duerfte theoretisch gar nicht existieren. Da ist nichts und auch nur der Funke von gesundem Menschenverstand muesste den ersten Siedlern gesagt haben, dass sie dort nicht anhalten sollen. Haben sie aber. Und wir haben es auch. Selbst in einem Kilometer Entfernung sieht man nichts und wuerde ausser ein paar Aasgeiern auch niemanden dort vermuten. Doch dann biegt man von der Piste in die einzige „Strasse“ ab und siehe da: Ein Restaurant, ein Souvenirshop und ein Café in einem wunderschoenen Garten. Da kann man tatsaechlich mal anhalten. Aber wohnen? Ich frage die deutschsprechende etwa 22-jaehrige Kellnerin, wie denn so das Leben in Helmeringhausen ist: „Wie eine Katze im Wasser, wie ein Vogel ohne Fluegel, wie ein Fish an Land!“ – noch Fragen?

Als wenn dass noch nicht der Gipfel waere, findet sich einige hundert Kilometer entfernt und noch weiter vom Schuss ein richtiges Schloss in der Namib-Wueste. Ein gewisser Hansheinrich von So-und-so liess es vor rund 100 Jahren bauen. Dann liess er einige Container mit seinen Deutschen Lieblingsmoebeln hierhin verschiffen und anschliessend tragen, fertig war Schloss Duwisib. Seiner Frau war die Gegend scheinbar nicht „in“ genug, weshalb sie wieder zurueck nach Hause fuhr und ihr Gemahl gleich hinterher. Sie werden ihre Gruende gehabt haben (siehe Foto 10209, o.r.).

Sollte man gerade in der Gegend sein, lohnt sich der Besuch. Genau wie der Rest des Landes. Namibia – ein Land das leer steht und dessen Pisten und Strassen zu 90 Prozent immer geradeaus fuehren. Wer von Serpentinen, Staus und Menschenmassen die Schnauze voll hat, der kann sich hier so richtig entspannen.

Ich leg mich wieder hin,

Normen

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Mail 49

Samstag, 28. Oktober 2006

Normens Weltreise 49 – Wenn alles so bleibt wie es ist, aendert sich gar nix!
Mail vom 01. Juli 2005

icon.jpgDer Kuenstler wollte in dem Teilbereich seines Werkes mit der Art seiner Pinselfuehrung inklusive der gruenen Farbe ausdruecken, dass er mit der Gleichgueltigkeit der Gesellschaft nicht einverstanden ist. Sowas muss man sich haeufig anhoeren, wenn sogenannte Experten Kunst analysieren. Dabei hat sich der Kuenstler nicht immer was dabei gedacht. Manchmal gibt der Kuenstler sogar zu, sich nix dabei gedacht zu haben, aber die gruene Farbe war halt noch uebrig und ausserdem wollte er fertig werden, da das Telefon klingelte, er sowieso keinen Bock mehr hatte und darueber hinaus wollte er sich mental eher auf das bevorstehende Date mit der attraktiven Dame von nebenan konzentrieren, was unter Umstaenden mehr Einfluss auf sein Leben haben kann, als die Art der Pinselfuehrung in gruen.

Der Autor dieses Kapitels will mit dieser Kurzgeschichte ebenfalls nix ausdruecken, eher etwas ankuendigen: Er ist nicht wirklich verrueckt geworden, die Tatsache, dass er in den naechsten zwei Kapiteln Auto faehrt hat einen trifftigen Grund. Das Motorrad ist weder kaputt oder geklaut, nein, er kann einfach keine zwei zusaetzliche Passagiere auf der Ténéré mitnehmen, die er mitnehmen muss, da es sich um zwei besondere Passagiere handelt, die es in Windhoek, im Nachbarland Namibia, abzuholen gilt. Das ist alles. Ausserdem sorgt dies nach exakt zwei Jahren seit Abfahrt in Leverkusen fuer ein wenig Abwechslung. Denn wenn alles so bleibt wie es ist, aendert sich gar nichts! Die fuer diese Geschichte verantwortliche Person ist nun beruhigt, dass der Leser Bescheid weiss und kann sich nun seiner, sagen wir mal eher mittelmaessigen Geschichte zuwenden. Nu dann mal los.

Das ist das schoene an Suedafrika: Man ruft eine Firma an, sagt was man will und holt es sich spaeter einfach ab. Keine Ueberraschungen, keine Diskussionen oder gar Schlange stehen. Alles geht geordnet zu, die Leute verstehen, wovon man spricht. Man kann eine Kreditkarte benutzen, keiner bescheisst einen beim Geldumtauschen und einen Kaffee bekommt man auch stets angeboten.

Ich stehe am Europcar-Schalter am Johannesburger Flughafen. Meine Autoreservierung ist bestaetigt, ich kann den Wagen um 10 Uhr abholen kommen. Gesagt, aber nicht getan. Der naechste bitte, ruft die Dame, ich bin an der Reihe.
Ich: Mein Name ist Hofmann, ich wollte meinen reservierten Corolla abholen!
Sie: Gute Nachrichten Herr Hofmann, Sie haben einen kostenlosen „Upgrade“ bekommen!
Ich: Wow, und was ist es? Ein Camry, ein Hilux oder gar ein LandCruiser?
Sie: Ein Polo!
Ich: Ein was?
Sie: Ein Polo. Das ist ein Deutsches Fahrzeug von Volkswagen!
Ich: Aber sie sprachen doch von einem „Upgrade“!?
Sie: Genau, deswegen bekommen Sie ja diesen Polo!
Ich: Moment mal, statt eines bestellten Corollas, der nicht nur wesentlich groesser ist, bekomme ich einen kleinen, qualitativ schlechteren Wagen inklusive einer vielfach hoeheren Chance mit einer Panne in der Wueste liegen zu bleiben? Ich glaube, mit diesem Angebot bekomme ich eher sowas wie ein „Downgrade“!
Sie: Aber es ist ein Deutsches Auto und Sie sind doch aus Deutschland…
Ich: Bekommen hier also nur Japaner ein verlaessliches japanisches Fahrzeug?
Sie: Zumindest ist der Polo groesser!
Ich: Wo? Wenn Sie sich die Muehe machen wuerden, diese beiden Autos zu vergleichen, wuerden Sie feststellen, dass das nicht stimmt!
[Sie macht sich die Muehe und wir gehen nach draussen]
Sie: OK, Sie haben ja recht, aber der Polo hat einen groesseren Motor. Den brauchen sie in Namibia!
Ich: Interessant, aber in Deutschland gilt mathematisch, dass „1.4“ (auf dem Polo) kleiner ist als „1.6“ (auf dem Corolla)!
Sie: In welcher Farbe wollen Sie den Toyota?

1. Gang, raus aus dem Molloch Johannesburg, 5. Gang Richtung Westen, ab in die Freiheit! Es fuehlt sich schon ein wenig seltsam an, so ein Auto. Besonders dann, wenn es fuer Linksverkehr konzipiert wurde. Der Schalthebel ist auf der verkehrten Seite und was noch viel schlimmer ist, alle fahren auf der falschen Seite! Haeufigster Irrtum ist jedoch, dass ich beim Ueberholen den Scheibenwischer einschalte. Wieso haben die das bloss auch geaendert? Zumindest sind die Pedale vernuenftig angeordnet.

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Wenn ich das noch halbwegs richtig in Erinnerung habe, haelt die Reserve eines Corollas so um die 170 Kilometer ab dem Aufleuchten der Warnlampe. Hier jedoch, in den unbewohnten Einoeden eines total aus der Mode gekommenen Teil des nordwestlichen Suedafrikas, moechte ich die tatsaechliche Reichweite nicht herausfinden. Denn hier ist niemand. Keine Menschen, keine Doerfer, kaum Verkehr. Daher kann man auch mitten auf der Strasse eine Pause machen, es kommt ja eh keiner! (siehe Foto 7181)

Doch es kommt, wie es kommen muss, naemlich nichts. Keine Tankstelle. Und selbst in den Orten, die auf der Karte wie kleine Staedte aussehen, gibt’s keinen Sprit. 185 Kilometer nach dem „Empty“-Symbol erreiche ich Upington und der Toyota tankt wie ein durstiges Kamel: 59,75 Liter. Nicht schlecht fuer eine 60-Liter-Kapazitaet! Immerhin weiss ich jetzt, dass das hinhaut mit den 170 Kilometern…

Der klassische und fast schon erwartete „Zufall“ platziert einen Hollaender inklusive Landrover neben meinem Zelt auf dem Campingplatz in Upington. Klar ist, das „Peter“ ein Safari-Anbieter ist, der mir eine Liste mit den absoluten Sehenswuerdigkeiten Namibias zusammenstellt und auch noch gleich eine Rundtour mit Uebernachtungstipps daraus zaubert. Eine praktische Sache fuer mich, da ich doch nicht ueber einen dafuer vorgesehenen Reisefuehrer verfuege und auch noch keine Ahnung hatte, welche Routen in Namibia lohnenswert und vor allen Dingen mit einem „normalen“ Auto befahrbar sind. Ein Blick auf die Karte entlarvt: Es gibt im Grunde nur zweieinhalb Hauptstrassen in Namibia mit einer Teerdecke, der Rest sind Geroell- und Sandpisten. Schauen wir also mal, in wie weit ein Corolla gelaendetauglich ist. Doch wie heisst es so schoen: Nichts geht besser ab, als ein Leihwagen!

Ruckzuck sind die Einreiseformalitaeten geklaert, das Visum gibt es gratis. Jedoch werden 110 Rand fuer die „Cross Border Charge Permit“ faellig (14 Euro), was ich als netten Versuch deute, Reisenden unter einem Decknamen irgendwie doch noch die Gebuehr fuer ein Visum abzuknoepfen. So hat sich beispielsweise Botswana, die angeblich auch keine Visa-Gebuehren verlangen (Juchu, et kost nix!) den pfiffigen Grund „Road Safety Levy Fee“ plus „Short Term Permit/Motorcycle“ ausgedacht und kassiert dafuer ebenfalls rund 15 Euro. Swaziland und Lesotho nennen es lustigerweise „Road Toll Fees“ obwohl es im letzteren Land so gut wie keine Strassen gibt. Aber ein ganzer Dollar sind halt auch nicht die Welt und damit ok.

Ich befinde mich auf Namibias Strassen im Suedosten. Nichts hat sich veraendert, alles ist so geblieben, wie es war. Doch dann merke ich den ersten Unterschied. Wenn ich schon den Nordwesten Suedafrikas als menschenleer beschrieben habe, dann ist dies hier der Gipfel: Da ist wirklich so richtig niemand! Weder auf den Feldern, noch am Strassenrand. Dabei waren Menschen am Strassenrand immer ein untruegliches Zeichen, dass man sich in Afrika befindet. Hier scheint afrikanische Tradition eine Ausnahme zu machen. Selbst beim Durchfahren des ersten Ortes sehe ich niemanden, obwohl alles vorhanden ist: eine Tankstelle, ein Supermarkt, eine Autowerkstatt und jede Menge Wohnhaeuser. Denn normalerweise halten sich Afrikaner grundsaetzlich an Tankstellen auf, da dies der spannendste Platz des Ortes ist. Ausserdem kann man bei der Gelegenheit versuchen, den Tankenden ein paar Nuesschen zu verkaufen oder zumindest ein bisschen Benzindaempfe zu schnueffeln. Aber hier? Alles Geisterstaedte!

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Irgendwann neigt sich der Tag dem Ende, ich sehe am Strassenrand ein Schild „Garras Camp“ und fahre dort spontan mal rein. Nach einem Kilometer ueber einen sandigen Feldweg und zahlreichen Puppenskulpturen am Wegesrand stehe ich alleine in einem „Koecherbaumwald“ mit unzaehligen Felsen sowie einigen Huetten. Hendrik, ein „echter“ und mein erster lebendiger Namibier heisst mich willkommen und fuer 35 Rand (4 Euro) darf ich in einer leeren Huette uebernachten. Die Gegend sieht echt abgefahren aus. Baeume dieser Art hab ich noch nie zuvor gesehen und strahlen etwas magisches und zugleich typisch afrikanisches aus (siehe Foto 7245). Noch abgefahrener ist der Sonnenuntergang an diesem besonderen Ort. 100 Fotos musste ich machen, doch keines kann die tatsaechliche Atmosphaere widergeben (siehe Foto 7230).

norm_7365_sunset-walk.jpgEs geht weiter Richtung Windhoek. Aber da ich etwas zu frueh dran bin, fahre ich abseits der Hauptstrasse meine ersten Pisten. Ich muss schliesslich lernen, wie sich so ein Corolla im Gelaende anfuehlt. Doch wie auf einem Motorrad, muss man so ein Auto auf Wellblech nur auf Geschwindigkeit bringen, und die Fuhre „schwebt“ ueber die Wellentaeler aus Sand. Zwischendurch mache ich immer wieder mal eine Pause und kann es erfahrungsgemaess kaum fassen: Es kommt keiner angelaufen, der irgendwas will! Das irre ist naemlich und ich sagte es bereits: hier ist wirklich keiner! Klingt komisch, ist aber so. Fuer mich bedeutet das keine Langeweile, nein, endlich kann man Anhalten wo es schoen ist, den Sonnenuntergang in der Landschaft geniessen (siehe Foto 7365) ohne bloedsinnige Diskussionen fuehren zu muessen („Hello my friend, I show you…, you wanna have… and give me money!“) – all das gibt es nicht!.

Mitten im Nichts halte ich an einem Wuestencafé und bestelle mir ein Sandwich. Zwei Dinge fallen mir sofort auf. Erstens, der junge Mann, der zugleich Koch, Kellner und Manager ist, hat weisse Hautfarbe, zweitens, ein grosses leeres Aquarium steht mitten im Raum, darauf eine grosse volle Dose „Tetra“-Fischfutter aus Deutschland.

Hhhmmm, wie soll ich bloss die Tatsache, dass ein Kumpel von mir bei Tetra in Melle arbeitet, mich seit Jahren mit den dollsten Merchandising Produkten ausstattet und ich ihm daher stets Tetra-Fotos aus aller Welt zukommen lasse, da ich ihm vermutlich auf Ewig dankbar sein werde, in eine pfiffige Geschichte einbauen? Ich vermute, dass das nicht klappt und wende mich daher wieder der eigentlichen Story zu, Fotos vom Futter fuer Fische und fischartige Geschoepfe.

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norm_7471_tetra-sau.jpgDer Besitzer des Cafés erlaubt mir zwar, die Dose fuer ein Foto mit nach draussen zu nehmen, sein Ausdruck im Gesicht verraet mir aber, dass er Touristen fuer total bescheuert haelt, da die jetzt schon Fischfutter als Fotomotiv fuer toll halten. Als ich die Tuer nach draussen oeffne, steht ein Schwein vor der Tuer. Mit radikalem Haarschnitt, grossen Augen und noch groesserer Schnautze schaut es mich an, betet mich auf Knien an, was auch immer ich da in der Hand halte, ich moege es ihm zu fressen geben (siehe Foto 7471 und 7475 ).

norm_7476_sau-im-auto.jpgDie Sau verabschiedet sich im Auto persoenlich von mir (siehe Foto 7476) und ich mache mich auf den Weg nach Windhoek, damit ich noch einen Tag so tun koennte, als haette ich was fuer meine besonderen Gaeste vorbereitet, wenn sie in 48 Stunden landen.

Ich muss weg,

Normen

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Mail 48

Samstag, 28. Oktober 2006

Normens Weltreise 48 –Feucht Durchwischen
Mail vom 02. Juni 2005

icon.jpgWas macht denn der Kerl schon wieder in Lesotho? War er da nicht schon im vorletzten Kapitel? Und gibt’s dort wirklich so viel zu entdecken, dass man da mehrmals hin muss? Und warum wischt hier keiner mal feucht durch?
Fragen ueber Fragen. Kommen wir zu den Antworten.

Es gibt Laender, da faehrt man hin, weil man da hin will. In meinem Fall wollte ich aber eigentlich gar nicht erneut nach Lesotho. Ich wollte ein neues Visum fuer Suedafrika. Doch wie sich herausstellte, kostet so ein neues blaues Aufkleberchen 850 Rand, was gut 106 Euro sind. Da liess ich mich nicht lumpen und machte da nicht mit. Vieeeeeeeeel zu teuer. Die Gebuehren fuer die Verlaengerung werden allerdings nur faellig, wenn man sich noch im Land befindet. Wuerde man ins Ausland fahren und erneut nach Suedafrika einreisen, gibt’s das Visum gratis. Das macht aus meiner Sicht herzlich wenig Sinn, spart mir aber eine Menge Kohle. Also zack, von Kapstadt mal eben rund 1000 Kilometer nach Lesotho, einreisen, ausreisen, weiter geht’s!

Theoretisch. Denn praktisch muss man da erstmal hin, und wenn man erstmal da ist, will man da auch ein bisschen rumcruisen. Sogesehen muss ich mir keinen Stress antun und geniesse so gut es geht die Zeit im huegeligen Koenigreich. Doch waehrend ich in Folge 45 (Die Roof ruft) noch schweineglueck in Bezug auf Wetterbedingungen hatte, musste ich diesmal da durch. Anders formuliert: Scheisswetter! Doch immer der Reihe nach.

Wie es sich gehoert, faengt es 50 Kilometer vor Einreise, am letzten Tag meines SA-Visums an zu regnen. Doch nicht nur das, auch die Strasse hoert auf und loest sich mit einer schlammigen Piste ab. Klar ist, dass es auch noch dunkel wird.

Doch meinen Optimismus gebe ich nicht auf. Dreckige Pisten bedeuten schwierige Fahrbedingungen, langsame Durchschnittsgeschwindigkeiten, viel Schufterei und moegliche Beschaedigungen des Mopeds im Falle von Umfallern. Doch nur dann entstehen die „Action“-Fotos, die sich spaeter gut auf Vortraegen und in Berichten machen, die beim Betrachten des Lesers im Regelfall folgende Reaktion ausloesen: „Die Scheisse tu ich mir nicht an – aber sieht gut aus!“.

Also freu ich mich auf die Action-Fotos, irgendwann wird ja auch mal wieder die Sonne rauskommen oder zumindest das Land zu Ende sein, so dass wieder eine geteerte Strasse auf einen wartet. Mir faellt auf, dass ich schon lange nicht mehr eine Geschichte fuer die „Zielgruppe“ geschrieben habe: Endurofahrer und alle, die sich fuer Motorraeder interessieren. Diese Randgruppe sollte ich nicht vernachlaessigen, schliesslich sind es genau diese Leute, die sich die MOTORRAD NEWS einmal im Monat kaufen, um dort nachzulesen, wo ich mich denn gerade so rumtreibe. Was wir also brauchen sind Fakten und Geschichten.

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norm_8834_mail-48_lesotho_4.jpgDie Zoellner geben mir den Tipp, einen sicheren Zeltplatz zu suchen, Lesotho sei gefaehrlich. Ich frage daraufhin, ob es hier an der Grenze sicher sei, sie antworten einstimmig, dass es an dieser Grenze sicher ist. Dann hab ich ja ein sicheres Plaetzchen gefunden, gebe ich von mir, der Cheffe guckt mich an und sagt: Wo, hier? Ja, hier, denn wenn es hier sicher ist, dann zelte ich jetzt hier! – Nie zuvor haben mich acht Zoellner an der „Tele-Bridge“ beim Aufbauen eines Zeltes beobachtet. Alle haben Spass, wir kochen Tee, und ich muss sie irgendwann um Mitternacht aus meinem Vorzelt schmeissen. Am naechsten Morgen verabschiedet mich der Cheffe persoenlich und bietet mir gleichzeitig an, wann auch immer ich in der Naehe bin, wieder hinter seiner Grenzstation zu uebernachten (siehe Foto 8834, o.l.).

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Es sieht gut aus. Auf den Pisten nach Malealea scheint die Sonne (siehe Foto 8835, o.l. & u.l.). Als ich mein Zelt auf dem Gelaende der Lodge aufbaue, faengt es an zu regnen. Hhhhmmm, die Herausforderung wird also Morgen kommen, wenn ich versuche, bergab zu fahren – auf Schlamm. Netterweise hoert es am naechsten Tag tatsaechlich auf zu schuetten, um das Zelt einzupacken, aber schon 20 Minuten spaeter, ich fahre vorsichtig die ersten Pisten hinunter, kommt der Regen zurueck und es sieht nicht danach aus, als wuerde es jemals noch mal aufhoeren.

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Einen ganzen Tag fahre ich durch saemtliche „4×4-Only“-Tracks und schaffe gerade mal laecherliche, wenn auch sehr anstrengende 120 Kilometer. Voellig durchnaesst schlage ich mein Zelt abseits der Piste in den Bergen des suedlichen Lesotho auf und mache einen auf Entspannung: Trocknen, lesen, Tee trinken. Und weil’s quasi gerade nicht so gut laeuft, springt die XTZ erstmals morgens nicht an. Natuerlich bloed, wenn man keine Strasse zum runterrollen griffbereit hat, mitten in der „Pampa“ steht und beim Zuendkerzenwechsel traditionell der Regen einsetzt. Aber was will man machen? (siehe Foto 8836 o.l., 8839 o.r.)

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Es geht bergauf. Nicht mental, dafuer geografisch. Das bedeutet Regen plus Nebel und noch kaeltere Temperaturen. Die Angst in tiefen Spurrinnen stecken zu bleiben sinkt drastisch, da ich sie nicht mehr im Voraus erkennen kann. Es hat also auch etwas fuer sich. Sechs Stunden nasse „Ackerei“ enden heute in Sehlabathebe, einem kleinen Dorf (siehe Foto 8833 o.l.) am gleichnamigen Nationalpark direkt an der sued-oestlichen Grenze zum grossen Nachbarn. Ich bekomme eine kleine Rundhuette (siehe Foto 8836 o.r.), die man nicht nur mit eiskaltem Duschwasser ausgestattet hat, sondern die man auch mal feucht Durchwischen muesste, da sich schlammiges Regenwasser irgendwie einen Weg durch die Huette bahnt. Ich muss daher im Bett schlafen, was sich als irre weiche Angelegenheit herausstellt. Mein Ruecken schafft es leider nicht, sich so stark zu biegen, wie die Matratze es zulaesst.

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norm_8833_mail-48_lesotho_4.jpgDie kurzen Momente, in denen die Sonne den Boden trifft, sind herrlich. Die Natur ist dermassen schoen, dass man meinen koennte, dass sich die Plackerei schon deswegen gelohnt haette. Schmale Wege auf Bergkaemmen, extra gruene Schluchten und jede Menge Wasserpassagen: Alles, was ein Offroadfahrer sich wuenschen kann. Und damit es auch spannend wird, sind auf diesen Wegen auch ein paar „Hillclimbing“-Passagen eingebaut. Technisch gesehen waren Fotos an diesen Stellen nicht moeglich, da ich froh war, an den steilsten Abschnitten ohne Abwurf oben anzukommen. Das Vorderrad wurde bis zur Bedeutungslosigkeit leicht, der Vergaser lieferte in 3200 Meter Hoehe nur halb so viel Power wie ueblich und das Hinterrad uebte sich im geradlinigen Steinefraesen oder im fortschrittlichen Schlammaushub.

Wo es traditionell bergauf geht, muss es auch wieder runter gehen. Mein Eindruck war allerdings eher ein starkes 70/30-Bergab-Verhaeltnis, was meine Berechnungen zum Spritverbrauch irgendwie durcheinander brachte. Man sollte ja meinen, dass wenn man den Berg runter rollt, so gut wie keinen Sprit verbraucht. Weil es aber dermassen steil runter ging, war die Motorbremse quasi Dauerhaft im Betrieb. Das Resultat: relativ wenig gefahrene Kilometer und ein ueberraschend fruehes Umschalten auf Reserve. An dieser Stelle denkt der Endurofahrer an sich bereits an die naechste Zapfsaeule. Da meine Tankkonstruktion jedoch ueber rund 220 Kilometer Reserve verfuegt, machte ich mir keine Sorgen und blieb irgendwann am Berg stehen: nach 130 Kilometern! Hhhmmm, gut, zur meiner Entschuldigung laesst sich sagen, dass ich weder eine Tankmoeglichkeit ausgelassen noch besonders schnell gefahren bin. Also abwarten. Zahlreiche Dieselfahrzeuge halten an, koennen aber nix machen. Der erste Wagen mit Otto-Motor stoppt und ich versuche per Benzinschlauch Sprit aus dem Tank zu saugen. Doch Fehlanzeige. Der Nissan-Gelaendewagen hat einen speziellen Filter vorm Tank, der erfolgreich meinen 5-Millimeter-Benzinschlauch-Eindringling abwaert (siehe Foto 8839 u.r.).

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Doch irgendwann haelt ein lesothonischer Minibus. Nach anfangs etwas zoegernden Verhandlungen wie
„Do you have petrol? – I don’t know!“
What do you know? – I don’t know.
Do you want to help me or just look at me? – Hhmmm, maybe!
Maybe what, help or look? – Petrol?
Yes, I need petrol. Can you give me just two liters? – Only two, why not 20?
Because the next petrol-station is just 5 kilometer far away! – I can’t give you!
So why do you stop here? – Because petrol is very expensive!
No problem, I pay you 6 Rand per Liter – [rund drei Minuten wird mit der Minibus-Besatzung diskutiert, dann gibt der Fahrer gruenes Licht] OK! (siehe Foto 8834 u.l.)

Sprit wird abgezapft und es geht weiter. Der naechste Knaller. Nach vier Kilometern, ich halte schon ausschau nach der Tankstelle, steht ein weiteres Schild an der Strasse: „Fuel Station: 1 km“, na bitte, da kann ja nix mehr schiefgehen. Doch scheinbar stammten diese Schilder von diversen Kneipenaufloesungen. Nach einem Kilometer ist nichts zusehen, ebenso nach drei oder fuenf Kilometern. Nach sieben Kilometern erreiche ich ein Dorf, nach exakt 10,8 sehe ich die sagenumworbene, oft beschriebene doch nie gesehene Tankstelle. Weil der Sprit hier nur 3,90 Rand kostet, wird vollgetankt (Suedafrika nimmt rund 5,10 Rand, obwohl die ihren Sprit muehsam ueber miserable Pisten nach Lesotho exportieren)

Wie es sich fuer korrekte Europaer gehoert – und weil ich sowieso die Strecke zurueckfahren musste – eile ich zurueck zum „1km-Schild“ und male mit Hilfe meines Edding500 eine gigantische 10,8 auf das Blech. Nie mehr muessen spirtgebeutelte Reisende falschen Hoffnungen nachfahren…

Ich naehere mich dem wahrhaft legendaeren Sani-Pass. Dieser Pass war vor langer Zeit der einzige suedliche und oestliche Zugang zum Koenigreich. Und erst Mitte der 50er Jahre schafften es die ersten motorisierten Allrad-Fahrzeuge diesen ungeheuer steilen und schwierigen Pass zu erzwingen. Heute fahren vor allem abenteuerlustige Touris in Gelaendewagen diesen „Steilhang“ hinauf – als Passagier einer gefuehrten 4×4-Tour. Doch davon sehe ich erstmal nix, da ich mich erstens noch auf auf den Weg zum Sani-Pass befinde (siehe Foto 8833 u.r., 8835 u.r.), und zweitens meine Passage in 3200 Meter Hoehe in Nebel gehuellt ist. Die Temperaturen sind in Regionen gefallen, die ich normalerweise nur auf dem Weg zum Elefantentreffen erwarte, die Sicht ist gleich null und eigentlich rechne ich minuetlich damit, dass es gleich anfaengt zu schneien.

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norm_8840_mail-48_lesotho_3.jpgnorm_8840_mail-48_lesotho_4.jpgMein GPS erzaehlt mir was von Grenzlinien und das es bergab geht, doch die Bedingungen sind nahezu unveraendert, bis auf die Tatsache, dass es zusaetzlich noch angefangen hat zu regnen. Eiskalter Regen trifft auf schlammigen Boden, wahrhaft keine schoene Sache fuer ein einspuriges Fahrzeug, aber Afrikas hoechstgelegene Bar muesste jeden Augenblick auftauchen. Ich sehe nix. Nicht einmal die Piste. Grosszuegig steuert meine Ténéré automatisch jedes auftauchende Matschloch an, was sich seltsamerweise als praktisch herausstellt, da der Boden auf Grund relativ hart ist und ein Steckenbleiben verhindert. Nur sehe ich halt aus wie Sau, was mir im Angesicht einer in Aussicht stehenden trockenen, von Kaminfeuer beheizten Huette, voellig egal ist. Per Richtungspfeil des GPS erreiche ich nach endlos erscheinenden, nicht mal einer Handvoll Kilometern das „Sani Top Chalet“. „Hoechste Kneipe Afrikas – 2874 Meter“ steht auf dem Schild am Eingang. (siehe Foto 8840)

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Waehrend sich die sechskoepfige Deutsche Urlaubergruppe ihr 4-Sterne-Menu schmecken laesst – „Es war so kalt und ungemuetlich da draussen [klimatisierter BMW X5 mit Sitzheizung], wir konnten in unserem Wagen kaum was sehen, da dachten wir uns, gehen wir doch lieber lecker essen!“. Der Grad zwischen purem Neid und herablassender Warmduscher-Beurteilung liegt manchmal eng beisammen. Da 100 US-Dollar fuer Uebernachtung mit Fruehstueck mir zu teuer erschien, begab ich mich in den Schlafsal fuer 10 Euro, ohne Fruehstueck. Der beheizte Raum hatte leider einen Haken: Der Boden stand im Wasser und folglich war ich gezwungen, in den grossen Saal zu wechseln, da dort gleich neben dem Kamin noch einige trockene Quadratmeter Teppich zu finden waren. (siehe Foto 8836, u.r.)
Die meist gestellte Frage muesste an dieser Stelle lauten: Wieso schlafe ich nicht einfach in einem der zahlreichen Betten? Weil alle ausgenudelte, rueckenschmerzenfoerdernde Matratzen haben und teilweise sogar nass waren. Zack Feuer gemacht, Spaghetti mit Corned Beef gekocht und anschliessend vorm Kamin im Schlafsack eingemummelt. Man kann es sich schon gemuetlich machen.

Am naechsten Tag geht es schon wieder bergab. Aber diesmal nur geografisch. Mental geht es steil nach oben, da sich nach einem nebligen Vormittag die Sonne blicken laesst und so den Blick auf den Sani-Pass freigibt (siehe Foto 8840). Zudem macht es einfach Spass durch die zahlreichen Baeche zu fahren, die den steilen Weg kreuzen und als ich unten an der Suedafrikanischen Grenzstation ankomme, drueckt mir der freundliche Zoellner sogar ein neues dreimonatiges Visum in den Pass. Als Gipfel taucht wenig spaeter sogar eine richtige geteerte Strasse auf. Da kann man mal wieder sehen, das schlechte Bedingungen immer was Gutes an sich haben: Man geniesst die einfachen, selbstverstaendlichen Dinge um so mehr!

Ich sehe jetzt zu, mich auch mal wieder feucht durchzuwischen.

Tschuessikowski, [Formulierungen, die wir nicht mehr sehen wollen]

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