Mail 53
Samstag, 28. Oktober 2006Normens Weltreise 53 – Jy praat kak!
Mail vom 09. Nov. 2005
Wie konnte ich ahnen, dass ich in Maputo auf ein Rudel „wilder“ Sued Afrikaner treffen wuerde, die so richtig auf klassische Weise dem typischen „Boer“ entsprechen, Afrikaans als erste Sprache sprechen, stereotypisch so aussehen, Saufen wie die Wikinger und auch noch rassistische Zuege haben?
Willkommen zu Manies Grundkurs: Rassismus fuer Anfaenger!
Da ich ein Weisser bin, habe ich die Aufnahmepruefung bereits bestanden, doch bis zur bestandenen Pruefung ist es noch ein weiter Weg. Doch Manie ist sich sicher, dass ich innerhalb einer Woche „verstehen“ werde und bereit zur Pruefung bin. Los geht es mit den Grundlagen:
Der Schwarze an sich ist ein schlechter Mensch, wird daher abfaellig „Kaffer“ genannt, was man sich als die „Nigger“-Variante aus den USA vorstellen kann. Ein Wort, dass man niemals irgendwo im suedlichen Afrika aussprechen sollte, da es einen in erhebliche Schwierigkeiten bringen kann. Da sich Manie jedoch keiner Schuld bewusst ist, ruft er es staendig laut aus seinem grossen Hals heraus.
Frueher war alles besser. Jawohl, damals, als in Sued Afrika noch Apartheid herrschte, ja da ging alles noch geordnet und friedlich zu. Heute, wo die Schwarzen machen koennen was sie wollen, da ist Schluss mit lustig, guten Manieren und einfachem Reichtum. Die Kolonialisierung Mosambiks durch die Portugiesen hatte ausschliesslich positive Effekte – so versichert er mir – was man auf den Strassen eindeutig nachvollziehen kann: frueher war alles prunkvoll, jetzt ist alles kaputt, die Gebaeude vom Verfall bedroht und der Dreck tuermt sich meterhoch. Von Ausbeuterei seitens der Europaeer will er nichts hoeren, das sei alles Luege, die haetten nur Gutes gebracht.
Ja ja, erwidere ich, zu Kaiser Wilhelm’s Zeiten war bei uns auch alles besser: Die Steuern waren erschreckend niedrig, Staus waren unbekannt, es gab weder Arbeitslose noch Gewerkschaften, die CSU dachte noch nicht mal daran, sich selbst zu gruenden und Ideen zu Hartz IV hielt man fuer Science Fiction.
Der Kaffer ist schuld. „Er“ ist verantwortlich fuer schlechte Strassen, korrupte Politiker und steigende Preise auf dem Markt. Interessant ist, dass alle meine Hinweise, dass es in Deutschland keine schwarze Bevoelkerungsmehrheit haben (wir reden hier nicht von der CDU) und es dennoch schlechte Strassen, korrupte Politiker und steigende Preise auf dem Markt gibt, unkommentiert bleiben – trotz Weisser, die dort alles regeln.
In Europa sei das anders, hier in Afrika ist und bleibt der Kaffer schuld: Stau, aaaarrrrgggghhhh, da muessen die Kaffer mal wieder mist gebaut haben, wenn irre Autofahrer im Zickzack durch den Verkehr sausen, dann sind alle Kaffer verrueckt geworden, wie mir Manie versucht klar zu machen. Auch da versuch ich ihn mit Beispielen aus Deutschland zu beruhigen: Verrueckte auf Deutschlands Autobahnen? Reichlich, die fahren sogar S-Klasse und sind WEISS! Irre Ueberholmanoever in der City? Staendig, die nennt man bei uns Idioten, sind weit verbreitet und – Du wirst es nicht glauben – WEISS!



Die Guten Zeiten hochleben lassen. Das kann man am besten in melancholischer Stimmung am Abend, wenn die Abendsonne den Himmel in den dollsten Farben erleuchtet. Um aber der besagten Stimmung ein wenig auf die Spruenge zu helfen, falls mal gerade nicht die Sonne nach Plan untergehen will oder es noch zu frueh oder im Ausnahmefall zu spaet ist, ja dann gibt es ja immer noch Alkohol. Da „Saufen“ Manies bester Freund ist, und seine gleichgesinnten Nachbarn ebenfalls an Melancholie in fluessiger Form interessiert sind, treffen sie sich jeden Abend auf Manies Terasse seines Bauwagens.
„Normen, Klippie?“ lautet die gaengigste Frage meines Unterrichtes. Na ja, einen kann ich ja mal probieren und bekomme ein Glas mit einem Drittel „Klipdrift“ Brandy, zwei Dritteln Cola und eine handvoll Eis. Waehrend mir ein Glas des mir fies schmeckenden Gesoeffs reicht, bereitet sich Manie fuer den Abend vor: Eine Kuehltruhe voll Eis, einen Kasten Cola, zwei Flaschen Klipdrift – fuer ihn alleine. Jeden Tag! Das ist natuerlich gelogen. Am heiligen Sonntag fastet er und trinkt nur Cola, schliesslich genoss er eine katholische Erziehung. Und waehrend man die Klippies mit Coke ununterbrochen einschenkt, der Abend sich zur Nacht wandelt, faengt Manie an, den Elektro-Grill anzuschalten und legt Fleisch auf den Grill. Am liebsten „Boerewors“, seine lieblings grobgehakte Bauernwurst. Dazu macht er „Papp“, was in etwa so schmeckt wie es klingt. Interesannterweise ist Papp die suedafrikanische Fassung von „Ugali“, dem gekochten Maismehl, mit dem sich halb (Schwarz-) Afrika zu ernaehren scheint. [siehe Mail 28, Bild 2989].
Als Sosse gibt es braunen Zucker und Butter. Das muss reichen. Manchmal jedoch isst Manie gar nichts, obwohl er stundenlang vor dem Grill sass. Manchmal geniesst er nur die Flammen des Feuers, dass die gluehenden Elektrostaebe beim Verbrennen des austropfendes Fettes entzuenden. Manchmal verzichtet er dann auf eine Mahlzeit und konzentriert sich darauf, die zweite Flashe Klipdrift zu leeren, bevor er dann um ein Uhr nachts ins Bett geht.
Die Nachbarn trinken uebrings „nur“ eine Flasche pro Tag, andere teilen sich gar einen Liter. Ein Gemeinsamkeit haben sie aber: sie hoeren gerne CD’s von Eugene Terreblanche’s Reden, einem rechtsextremen Vorzeige-Rassisten, Apartheid Befuerworter und zielgruppengerechter Mini-Hitler. „Normen, you must listen carfully, it’s a good man!“, bekomme ich gesagt. Im selben Atemzug lerne ich, dass auch Hitler ein guter Mann war – diskutieren zwecklos!
Jy moenie kak praat nie! – „Red nicht so eine Scheisse“, bruellt Manie immer haeufiger. Je spaeter der Abend wird, desto mehr geifern sich die Anwesenden an. Amtssprache dieser Kolonie ist natuerlich Afrikaans, dass die Boeren (man spricht es wie „Buhren“ aus und bedeutet Bauer) im Laufe ihrer Besiedlungsgeschichte entwickelten und dabei das originale hollaendisch verstuemmelten. Manie, der seit 25 Jahren Klipdrift trinkt und theoretisch gar keine Leber mehr haben duerfte, kann man seinen Alkoholpegel nicht ansehen. Nur die Haeufigkeit, mit der er „Jy praat kak“ seinem Gegenueber zuruft, steigt proportional mit dem Promillegehalt.
Versprochen ist versprochen. „Manie“, der laut Ausweis Hermanus mit Vornamen heisst, hat mich mehr als nur einmal darauf hingewiesen, das ich etwas Bestimmtes auf keinen Fall vergessen darf: „You must tell your people that I’m a rassist!“ und er strahlt dabei, als bekomme er in Deutschland dafuer eine Auszeichnung. Und damit steht fest, dass ich niemanden zum Rassisten denunziert habe, nein, das macht Manie schon selber. Na, da bin ich ja fein aus dem Schneider!
Wir fassen zusammen: Als Schueler in Manies kleinem rassistischem Ausbildungslager habe ich in voller Linie versagt. Noch immer sind Manies schwarze Angestellte meine Freunde, Antonio, Manies schwarzer LKW-Fahrer, darf wie ueblich mit mir am selben Tisch essen, bis heute mag ich keinen Brandy mit Coke und eine Abneigung gegen bestimmte Menschen mit anderer Hautfarbe habe ich ebenfalls nicht entwickelt. Man kann sagen, dass ich das Klassenziel nicht erreicht habe. Versetzt werde ich nach Sued Afrika, dass laut Manie „kak“ ist (shit), da Schwarze dort Rechte haetten. Das ist in der Tat kaum auszuhalten und vermutlich der Grund, weshalb sich diese Zielgruppe nach Mosambik abgesetzt hat…
Als ich spaeter Freunden in Johannesburg von meinen Erlebnissen mit Manie berichte, erklaert mir Rick: „Wow, Du hast regelrecht im Herzen der Klipdrift-Society gelebt! Es handelt sich bei diesen speziellen Boeren um einen recht interessanten „Stamm“ – sehr unterhaltsam! Betrachte Deinen Aufenthalt bei den „weissen Kaffern“ als Teil deiner afrikanischen Bildung!“.




Doch zurueck nach Mosambik. Ich mache mich auf den Weg nach Sueden, um entlang der Kueste die Grenze nach Sued Afrika bei Kosi-Bay zu passieren. Das schoene ist, dass es auf den letzten hundert Kilometern angeblich keine Strassen gibt und reine Sandpisten auf mich warten. Der Haken allerdings ist, dass meine Reifen fast blank sind, aber ein paar Herausforderungen tun mir ja immer ganz gut. Zunaechst gilt es jedoch die Faehre zu finden, die einen ueber den riesigen Tembe-Fluss in der Hafeneinfahrt bringt. Gefunden ist die Faehre schnell, nur die Beladung dauert etwas. Versucht wird naemlich, das unmoegliche moeglich zu machen. Und wie es in Afrika so ueblich ist, gelingt es ihnen am Ende auch. Es stehen irgendwie mehr Autos und LKW auf dem Deck, als eigentlich draufpassen, jeder Quadratmeter wurde so genutzt, so dass an ein Rangieren nicht mehr zu denken ist. Als Europaaer lernt man mal wieder, dass mit gutem Willen allein logistische Meisterleistungen moeglich sind und dass ueberladene Schiffe trotzdem schwimmen.


Harter Boden erwartet mich an der Suedkueste. Das ist nicht nur praktisch fuer abgenutzte Reifen, sondern bringt mich auf flott voran. Da das Blau des indischen Ozeans so unverschaemt schoen leuchtet, nutze ich die Gelegenheit und geh noch mal eine Runde im warmen Wasser schwimmen, da es ab jetzt jeden Kilometer weiter suedlich spuerbar kaelter wird.




Klassisch afrikanisch sieht die Gegend aus und steiniger Boden, rote Erde, harter Sand sowie weicher Sand wechseln sich nach und nach ab. Faszinierenderweise nimmt die Schoenheit der Landschaft je weiter suedlich ich komme zu und im gleichen Verhaeltnis waechst der Schwierigkeitsgrad, die vollbeladene Ténéré im immer weicheren Sand auf Kurs zu halten. Per GPS steuere ich die Grenze zu Sued Afrika an, da ich mir bei den zahlreichen sandigen Wegen nicht mehr sicher bin, ob ich noch auf dem richtigen Kurs bin. „Noch 500 Meter bis zum Ziel“ – steht im Display des GPS zu lesen. Ich bezweifel die Aussage, da noch immer keine Schilder oder gar eine Strasse zu sehen sind. Stattdessen habe ich mit tiefen Spurrillen im weichen Sand auf extrem engen Wegen zu kaempfen.




Noch 100 Meter, man kann durch die Baume und Straeucher nichts erkennen. Noch 50 Meter, jawohl, da ist was. Der Sand wird noch weicher, die XTZ kaempft sich mit durchdrehendem Hinterrad, hoher Drehzahl und Zuhilfenahme meiner Beinkraft bis auf fuenf Meter vor die Grenzhuette. Erst dort rolle ich auf Pflastersteinen zum Zoll. Auf suedafrikanischer Seite beginnt dagegen eine langweilige topfebene Teerstrasse. Wie langweilig aber praktisch, denke ich mir, doch lang waehrt meine Freude nicht, da mir der Zoellner kein neues Visum gibt. Mein altes sei noch vier Tage in Suedafrika gueltig, da koenne er nichts machen. Natuerlich koennte er, aber er will nicht! 110 Euro kostet eine Verlaengerung eines bestehenden Visums, sollte man sich im Land befinden.
Daher entschliesse ich mich nach ein paar Tagen wieder auszureisen: nochmal nach Swaziland, da es das naechstgelegene Nachbarland ist. Dort verbringe ich den letzten Tag meines Sued Afrika-Visums und mach mich mit abgelaufenden Visum am naechsten Morgen zur Grenzstation auf: Der Zoellner kontrolliert meinen Pass und sagt: „Hey, Ihr Visum ist abgelaufen, Moment mal, hier haben Sie ein neues!“ und klebt mir gratis einen weiteren kleinen blauen Aufkleber in den Reisepass. So einfach kann das gehen.
Darauf geh ich jetzt einen Klippie trinken,
Normen





Klingt bisher ja gar nicht sooooo schlecht. Aber es handelt sich bisher ja auch nur um Tag eins mit der Gewissheit, dass mich mein befreundeter Rassist „Manie“ morgen wie vereinbart abholen will. Aber das macht er ja nicht, wie schon im Vorspann zu lesen war. Daher mache ich an Tag zwei nichts anderes, als meine sportlichen Aktivitaeten zu wiederholen und beende das mitgebrachte Buch. Konserven Eintopf am Abend runden die Sache ab. Sagen wir mal so, zumindest hab ich keinen Hunger mehr. Der dritte Tag beginnt und sieht aus wie die ersten beiden Tage, von Abwechslung kann man nicht wirklich sprechen. Irgendwie bin ich mir sicher, dass Manie heute kommt, was jedoch nicht rationalen Gruenden unterliegt, sondern scheinbar meiner Erwartungshaltung entspricht. Tag vier beginnt und ich beginne umzudenken. Warum soll ich mich aufregen ueber jemanden, der mich auf einer Insel absetzt und nicht zurueckkommt? Bringt natuerlich nichts und daher sollte ich die Zeit einfach geniessen.





Und das mache ich mit ausgepraegten Wanderungen. Stundenlang unbekanntes Gebiet erkunden, seltsame Pflanzen betrachten, die aussehen, als haette jemand eine musterverzierte gigantische Karotte im Ananas-Format in eine Bodenpalme gesteckt. Was auch immer das ist, ich werde es nicht essen. Ach ja, Begleitung habe ich auch gefunden. Oder anders herum. „Dog“ bleibt die ganze Zeit bei mir, ist von irgendwoher gekommen und macht einen auf anhaenglich. Guckt aber niedlich, bellt nicht und darf daher bleiben. Den Pool waesser ich auch noch gelegentlich, aber nicht mehr so richtig ernsthaft, da Manie ja nur von einem Abend gesprochen hat und weitere Anweisungen fehlen. Traditionell setzte ich mich am Abend auf die Duenen und geniesse den Sonnenuntergang. Was soll ich auch sonst machen, ausser die mosambikische Bierflaschen-Collection aus dem Regal in sentimentaler Stimmung zu leeren. Ausserdem bin ich Millionaer. Dumm ist nur, dass es hier keinen Shop gibt, wo ich die Kohle loswerden koennte. Nur der Typ mit dem Mr. Bean T-Shirt hat mir ein paar Tausend fuer die Fahere abgeknoepft. Eine Millionen Meticas habe ich in der Tasche, was vielleicht nicht wirklich viel ist, sich aber dennoch schoen anhoert. Wie lange ich das wohl noch geniessen kann?























Eindruck


Also auf nach Solitaire, da dies der letzte Ort vor den teuren Hotels und Lodges ist, um von dort aus in rund 150 Kilometer Entfernung ueber rallyemaessige Pisten Richtung Sossusvlei zu ballern. Das schoene an Solitair ist, das es schoen ist und damit kein billiger Uebernachtungs-Notnagel (Ok, die Tankstelle und der Kram drumherum im staubigen „Zentrum“ sind nicht direkt als schoen zu bezeichnen, aber je weiter man sich entfernt, um so schoener wird es) (siehe Foto 10201, o.l.).






Swakopmund






Der Nordwesten


Luederitz


Es geht weiter Richtung Windhoek. Aber da ich etwas zu frueh dran bin, fahre ich abseits der Hauptstrasse meine ersten Pisten. Ich muss schliesslich lernen, wie sich so ein Corolla im Gelaende anfuehlt. Doch wie auf einem Motorrad, muss man so ein Auto auf Wellblech nur auf Geschwindigkeit bringen, und die Fuhre „schwebt“ ueber die Wellentaeler aus Sand. Zwischendurch mache ich immer wieder mal eine Pause und kann es erfahrungsgemaess kaum fassen: Es kommt keiner angelaufen, der irgendwas will! Das irre ist naemlich und ich sagte es bereits: hier ist wirklich keiner! Klingt komisch, ist aber so. Fuer mich bedeutet das keine Langeweile, nein, endlich kann man Anhalten wo es schoen ist, den Sonnenuntergang in der Landschaft geniessen (siehe Foto 7365) ohne bloedsinnige Diskussionen fuehren zu muessen („Hello my friend, I show you…, you wanna have… and give me money!“) – all das gibt es nicht!.
Der Besitzer des Cafés erlaubt mir zwar, die Dose fuer ein Foto mit nach draussen zu nehmen, sein Ausdruck im Gesicht verraet mir aber, dass er Touristen fuer total bescheuert haelt, da die jetzt schon Fischfutter als Fotomotiv fuer toll halten. Als ich die Tuer nach draussen oeffne, steht ein Schwein vor der Tuer. Mit radikalem Haarschnitt, grossen Augen und noch groesserer Schnautze schaut es mich an, betet mich auf Knien an, was auch immer ich da in der Hand halte, ich moege es ihm zu fressen geben (siehe Foto 7471 und 7475 ).
Die Sau verabschiedet sich im Auto persoenlich von mir (siehe Foto 7476) und ich mache mich auf den Weg nach Windhoek, damit ich noch einen Tag so tun koennte, als haette ich was fuer meine besonderen Gaeste vorbereitet, wenn sie in 48 Stunden landen.


Die Zoellner geben mir den Tipp, einen sicheren Zeltplatz zu suchen, Lesotho sei gefaehrlich. Ich frage daraufhin, ob es hier an der Grenze sicher sei, sie antworten einstimmig, dass es an dieser Grenze sicher ist. Dann hab ich ja ein sicheres Plaetzchen gefunden, gebe ich von mir, der Cheffe guckt mich an und sagt: Wo, hier? Ja, hier, denn wenn es hier sicher ist, dann zelte ich jetzt hier! – Nie zuvor haben mich acht Zoellner an der „Tele-Bridge“ beim Aufbauen eines Zeltes beobachtet. Alle haben Spass, wir kochen Tee, und ich muss sie irgendwann um Mitternacht aus meinem Vorzelt schmeissen. Am naechsten Morgen verabschiedet mich der Cheffe persoenlich und bietet mir gleichzeitig an, wann auch immer ich in der Naehe bin, wieder hinter seiner Grenzstation zu uebernachten (siehe Foto 8834, o.l.).














Die kurzen Momente, in denen die Sonne den Boden trifft, sind herrlich. Die Natur ist dermassen schoen, dass man meinen koennte, dass sich die Plackerei schon deswegen gelohnt haette. Schmale Wege auf Bergkaemmen, extra gruene Schluchten und jede Menge Wasserpassagen: Alles, was ein Offroadfahrer sich wuenschen kann. Und damit es auch spannend wird, sind auf diesen Wegen auch ein paar „Hillclimbing“-Passagen eingebaut. Technisch gesehen waren Fotos an diesen Stellen nicht moeglich, da ich froh war, an den steilsten Abschnitten ohne Abwurf oben anzukommen. Das Vorderrad wurde bis zur Bedeutungslosigkeit leicht, der Vergaser lieferte in 3200 Meter Hoehe nur halb so viel Power wie ueblich und das Hinterrad uebte sich im geradlinigen Steinefraesen oder im fortschrittlichen Schlammaushub.






Mein GPS erzaehlt mir was von Grenzlinien und das es bergab geht, doch die Bedingungen sind nahezu unveraendert, bis auf die Tatsache, dass es zusaetzlich noch angefangen hat zu regnen. Eiskalter Regen trifft auf schlammigen Boden, wahrhaft keine schoene Sache fuer ein einspuriges Fahrzeug, aber Afrikas hoechstgelegene Bar muesste jeden Augenblick auftauchen. Ich sehe nix. Nicht einmal die Piste. Grosszuegig steuert meine Ténéré automatisch jedes auftauchende Matschloch an, was sich seltsamerweise als praktisch herausstellt, da der Boden auf Grund relativ hart ist und ein Steckenbleiben verhindert. Nur sehe ich halt aus wie Sau, was mir im Angesicht einer in Aussicht stehenden trockenen, von Kaminfeuer beheizten Huette, voellig egal ist. Per Richtungspfeil des GPS erreiche ich nach endlos erscheinenden, nicht mal einer Handvoll Kilometern das „Sani Top Chalet“. „Hoechste Kneipe Afrikas – 2874 Meter“ steht auf dem Schild am Eingang. (siehe Foto 8840)


