Mail89 – Ria-Reien

Normens Weltreise 89 – Ria-Reien
Mail vom 03. Januar 2010

icon.jpgWenn Dinge sich wiederholen, wird es langweilig. Für den Leser, aber auch für mich. Es sei denn, die Dinge sind in irgendeiner Form aufregend, was sie im Folgenden aber nicht sind. In meinem Fall bedeutet dies, dass ich schon wieder ins Ausland muss, weil mein Visum abläuft.Regelmäßige Leser wundern sich wohlmöglich, dass dies schon wieder soweit ist, was aber nur daran liegt, dass wochenlanges Nichtstun auch nicht zu einer Veröffentlichung taugt und somit quasi in Zeitraffer die Abenteuer-Highlights im Heft landen.

Norm_Mail_89_RIA-6_4grTatsache bleibt jedoch, dass ich Argentinien mitsamt meiner Yamaha verlassen muss, um anschließend wieder zurückzukommen – mit drei weiteren gemütlichen Monaten im Land.

Norm_Mail_89_RIA-1_3grNorm_Mail_89_RIA-1_1Norm_Mail_89_RIA-1_4Norm_Mail_89_RIA-1_2grWas bietet sich von Buenos Aires also eher an, als mal eben vom Hafen der Hauptstadt mit einer Fähre nach Uruguay rüberzujetten? Das geht einfach, dauert nicht lange, kostet wenig und eine kurze Schiffsreise über den braunen Rio de la Plata gibt’s noch oben drauf. Das langweilige an der Sache ist, dass ich genau das schon mal gemacht habe. Folglich erwartet mich nichts unbekanntes, im Gegenteil, ich weiß, dass die Einreiseformalitäten für Uruguay noch in Argentinien erledigt werden und dass man nach Ankunft locker das Schiff verlassen kann, ohne in diversen und meist unüberschaubaren Zoll-Hütten mehrere Stunden zu verbringen. Uruguay ist und bleibt in meinen Augen der organisierteste Staat in Südamerika.

Als ich an Bord der Fähre meinen Pass studiere, genieße ich die Tatsache, dass sich neben dem Ausreisestempel von Argentinien bereits ein Einreisestempel von Uruguay befindet, obwohl ich mich noch im Nachbarland befinde. Das Ziel des Ausflugs ist damit fast schon erreicht: die korrekten Stempel in richtiger Reihenfolge, um am Ende wieder dort sein zu dürfen, wo man hin will.

Norm_Mail_89_RIA-2_2Norm_Mail_89_RIA-2_3Norm_Mail_89_RIA-2_1grNorm_Mail_89_RIA-2_4grFür den Abend ist die Rückreise mit der so genannten „Buquebus“-Fähre geplant, sodass ich mich im Hafen von Colonia einen Tag lang mit irgendwas beschäftigen muss, bevor es wieder nach Buenos Aires geht. Beste Gelegenheit also, mich endlich einmal einer Kleinigkeit zu widmen, die andere Reisende missachten, Einheimische nicht bemerken und dem Rest der Welt vollkommen egal ist: Geschäfte, deren Namen auf das Wort „ria“ enden.

Norm_Mail_89_RIA-6_3grNorm_Mail_89_RIA-6_2grNorm_Mail_89_RIA-6_1grSpontan übersetzt bedeutet dies „rei“, bekannt aus der Metzgerei, der Bäckerei, der Bücherei und so weiter. Allerdings entsteht der Eindruck, als gäbe es hier weitaus mehr „rias“, als „reien“ bei uns. OK, Laptop auspacken, Bierchen bestellen und den Tag am Meer beim Verfassen dieser Geschichte genießen.

Klar, es bedarf an dieser Stelle einiger Erklärungen, wobei die Begriffe in Klammern die sind, die gemeint waren:

  • Confiteria    = Konditorei
  • Carniceria    = Fleischerei
  • Libreria    = Bücherei (Buchladen)
  • Lavanderia    = Wäscherei

Gut, die oben genannten kennt man ja noch von Zuhause. Bei den folgenden ist das nicht unbedingt mehr der Fall, vor allem, wenn man es zu wörtlich nimmt:

  • Hamburgueseria = Hamburgerei (Imbissbude)
  • Panaderia    = Broterei (Bäckerei)
  • Ganaderia    = Rinderei (Landwirt mit Rindern)
  • Lecheria    = Milcherei (Landwirt mit Milchkühen)
  • Pintureria    = Farberei (Laden mit Farben)
  • Gomeria    = Reiferei (Reifenhaendler)
  • Bicicleteria    = Fahrräderei (Werkstatt für Fahrräder)
  • Joyeria    = Juwelierei – keine Spaßerei (vgl. engl.)
  • Jugueteria    = Spielzeugerei (Spielzeuggeschäft)
  • Polleria    = Hähnchenerei (Hähnchen-Restaurant)
  • Roperia    = Kleiderei (Boutique)
  • Relojeria    = Uhrerei (Werkstatt)
  • Cocheria    = Autorei (Parkplatz für Autos)
  • Regaleria    = Geschenkerei (Geschenkladen)
  • Manteleria    = Tischdeckerei (Geschäft für Tischdecken)
  • Marroquineria    = Lederei (Lederverarbeitung)
  • Loneria    = Zeltplanerei (Laden für robuste Planen)
  • Rotiseria    = Drehfleischerei (Gegrilltes Fleisch am Spieß)
  • Fruteria    = Früchterei (Obstladen)
  • Hojalateria    = Blecherei (Blechverarbeitung)
  • Lenceria    = Unterwäscherei (Unterwäsche-Shop)
  • Peluqueria    = Friseurerei (Friseur-Salon)
  • Herreria    = Metallbearbeiterei / Hufschmiederei
  • Buloneria    = Schrauberei (Schrauben-Fachladen)
  • Ferreteria    = Metallbauerei (Metallwaren-Geschäft)
  • Vidrieria    = Glaserei (Glaser)

Norm_Mail_89_RIA-3_1grNorm_Mail_89_RIA-4_1grNorm_Mail_89_RIA-5_1grMan erkennt, dass der Spanier als solcher in Südamerika die dollsten Geschäfte führt, und das es gegenüber unseren „reien“ eine deutliche „ria“-Dominanz gibt. Bestens vorbereitet für den nächsten Spanien-Urlaub, bezahle ich „Nix“, eine üble Sprite-Simulation und fahre zur Fähre, um wenig später meine Reise durch Argentinien fortsetzen zu können. Nach Ankunft bleibe ich noch ein paar Tage bei Familie Meta, verabschiede mich von Moto-Fox-Pablo und Marito bittet mich spontan, doch noch ein paar Tage mit ihm aufs Land zu fahren, wo man es sich so richtig gut gehen lassen kann, bevor die Reise weitergeht. Das klingt gut. Noch mal richtig entspannen, bevor mein Urlaub weitergeht. Herrlich. Da fahr ich mit.

Normen

2 Kommentare zu “Mail89 – Ria-Reien”

  1. Michael K.
    Januar 16th, 2010 14:57
    1

    Hallo Normen,

    vielen Dank für den lustigen Bericht. Ist genau das richtige um im kalten Deutschland dem Fernweh zu fröhnen.

  2. Andrea und Frank
    Januar 19th, 2010 20:37
    2

    Hallo Normen,
    wir sind auch gerade mit Motorrad in Suedamerika unterwegs (derzeit in Uruguay), und waren wohl da zeitgleich in Buenos Aires (wir waren vom 5.-13. Januar dort). Nach Uruguay kommen wir auch wieder nach Argentinien. Wo bist du derzeit unterwegs? Vielleicht fahren wir uns mal ueber den Weg…. Dann spendieren wir dir ein Bier (als Dank fuer die immer witzig zu lesenden Reiseberichte).
    Gruesse von zwei anderen Reisenden!

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