Mail86 – Paranormalität
Normens Weltreise 86 – Paranormalität
Mail vom 14. September 2009
Gut, man könnte meinen, Paraguay bestünde nur aus staubigen Straßen, lustigen Bewohnern mit Hunsrück-Deutsch-Sprachkenntnissen und fehlenden Highlights, schenkt man den Anekdoten meiner beiden bisherigen Besuche des Landes glauben. Freundlicherweise hat Paraguay mehr zu bieten als das kleine Katuete und so führt mich meine Reise 400 Kilometer Richtung Süden, an Ciudad del Este vorbei, wo ich auf fast völlig normale Bedingungen treffe. Quasi Normalität in Paraguay.
Der Weg dorthin jedoch ist mit kleinen Hindernissen gespickt. Alle 20 Kilometer oder manchmal sogar weniger, sind auf den Hauptstrassen des Landes Polizei- und Zollkontrollen an der Tagesordnung. Ein paar mehr oder weniger gelungene Tempo-30-Huegel sollen das Tempo drosseln, was ihnen auch mehr oder weniger gelingt. Meine ostafrikanische Taktik, kurz vor Ortschaften hinter großen LKW zu fahren, um von den vermeintlich bösen Kontrollen verschont zu bleiben, weil man zu spät erkannt wird, scheint auch hier aufzugehen. Wenn nicht, werden halt ein Haufen Fragen gestellt, nach dem Zoll-Importschein verlangt, nach fehlenden Papieren geforscht und allgemein geht’s dann auch schon weiter.



Nach 250 Kilometern wähne ich mich schon fast am Ziel, da sehe ich drei Polizisten am Straßenrand, von denen einer es auf mich abgesehen hat. Wohin, woher, warum, Papiere, Dokumente und die Frage nach dem Beruf.
>> Journalist, ich schreibe über Korruption in Südamerika! <<
- Ah, ich verstehe. Wie ich sehe, sind Ihre Papiere in Ordnung, aber was sagen Sie zur Deutsch-Paraguayanischen Freundschaft? -
>> Die find ich gut! <<
- Dann können Sie mir ja etwas Geld in diesem Sinne geben! -
>> Geld? <<
- Wissen Sie, so eine Freundschaft muss ja finanziert werden! -
>> Ach so. Ich dachte immer, dass Geschäfte finanziert werden müssen. Aber Freundschaften? Haben Sie ihrem besten Freund schon mal Geld abgenommen, damit er Ihr Freund bleibt? <<
- Wie bitte? Natürlich nicht, Freunde hat man für sein Leben!
>> Genau, damit das auch so bleibt und Sie von der Deutsch-Paraguayanischen-Freundschaft sprachen und nicht von Geschäften, lassen wir das mit dem Geld und alles bleibt wie es ist. Abgemacht? <<
- Aber….? -



Gut. Wohin fährt man in so einem Land? Logisch, zu Leuten, die man schon kennt. Ich „kenne“ natürlich nicht wirklich jemanden in dieser Gegend, fahre aber dennoch zu „Michael“. Vor fünf Jahren traf ich ihn auf dem Elefantentreffen, weil ich an Details seiner zugeschneiten Tenere interessiert war, die auf dem Weg stand, nur 20 Meter von meiner Yamaha entfernt. Wir plaudern, er erwähnt, dass er in Paraguay wohnt und hier nur auf Urlaub ist, wobei ich verlautbare, dass ich bald auf Weltreise gehen werde. Eins kommt zum anderen und am Ende steht die Aussage, doch mal vorbeizuschauen, wenn ich jemals in Paraguay auftauchen sollte.
Und schwupp, fünf Jahre später fahre ich über eine unglaublich grüne Landschaft auf einer farbenprächtigen roten Piste und hoffe fest, dass es auf den letzten Kilometern nicht noch anfängt zu regnen, da die Pisten nicht nur spiegelglatt werden, sondern auch meistens unpassierbar. Sogar für Autos, trotz Allradantriebs. Wie es sich gehört, erreiche ich die gegebene Adresse, stehe quasi auf Michaels Matte und der Regen beginnt.


Sofort lerne ich Maren kennen. Sie stammt im Gegensatz zu Michael nicht aus dem tiefsten Bayern, sondern aus dem höchsten Norden der Bundesrepublik. Zwar könnten die Dialektunterschiede der beiden größer nicht sein, dennoch haben wir es mit zwei normalen deutschen Akzenten zu tun. Des Weiteren parkt meine Ténéré neben einer 660er-Ténéré. Also auch völlig normal. Als sich die Garage schließt, sehe ich ein topausgestattete Werkstatt, wie man es von normalen topp ausgestatteten Werkstätten in Deutschland kennt. Das Haus, schön, sauber und so eingerichtet, wie man es von normalen sauberen Häusern aus der Heimat kennt! Ahhh, sehr angenehm, so seltsam es klingt, das zugeben zu müssen. Mein Gästezimmer könnte glatt aus Deutschland stammen und lässt mich regelrecht vergessen, dass ich fernab der Heimat bin.


Maren kocht in einer schönen Küche, die aussieht, wie eine wunderschöne, edle Küche, wie man sie in wunderschönen, edlen deutschen Küchen findet. Also so gesehen, eine ganz normale Küche. Nur hab ich so eine seit langer Zeit nicht mehr gesehen, und so bescheuert es auch klingt, man fühlt sich dadurch gar nicht mehr so weit weg von Europa. Außerdem schmeckt es auch noch unverschämt gut, ihr gelingt es, lokale Lebensmittel in etwas zu verwandeln, was dem der fernen Heimat sehr nahe kommt. Dann fahren wir in einem normalen deutschen Auto zur Farm von Marens Brüdern Kai und Klaus, haben einen besonders schönen Abend, den andere als normal bezeichnen würden. All das führt dazu, dass ich mich hier nach drei Tagen so fühle, als hätte ich soeben Freunde in Deutschland besucht. Und nebenbei ein Schwung Energie getankt.



Der Besuch bei Maren & Michael und deren Familie hinterlässt ein besonders beruhigendes Gefühl, dass man nur dann zu schätzen weiß, wenn man die normalen, ganz normalen Dinge in Deutschland, schon lange nicht mehr erleben konnte. Irgendwie erscheint mir diese Gegend, beziehungsweise die Anwesenheit dieser Menschen wie eine Insel inmitten des ganz normalen südamerikanischen Chaos zu sein. Da passt es ganz gut, dass ich zum Abschied nur ein paar hundert Meter von der Farm entfernt, in eine ganz normal eingerichtete Kneipe gehen kann. Wie in Deutschland, steht sogar außen dran.

Es geht zurueck nach Ciudad del Este. Auf dem Weg dorthin komme ich an einem Schild vorbei, dass normaler nicht sein kann, zumindest für jemanden aus Leverkusen: ein Bayerkreuz! So kennt man es von Zuhause. Völlig unnormal dagegen wirkt mein Besuch des Itaipú-Wasserkraftwerks am Paraná-Fluss, gleich gegenüber von Brasilien. Das Ding ist nämlich einfach zu groß. Punkt. Etwas genauer betrachtet ist der Damm knapp acht Kilometer breit, 196 Meter hoch und staut auf über 170 Kilometern Länge! Da kommt eine Menge Wasser zusammen. Genauer gesagt sind es 10500 Kubikmeter pro Sekunde! Bis vor kurzem war dieses Bauwerk noch das größte der Welt, bis neulich eine chinesische Konstruktion diesen Titel für sich verbuchen konnte. Ich will nicht kleinlich sein, aber bei der kostenlosen Führung durch das Kraftwerk erkannte ich das Logo einer ganz normalen deutschen Firma auf einer der 20 riesigen Turbinen mit 16-Meter-Durchmesser: Siemens. 18 sind konstant im Einsatz, zwei dienen zur Reserve bei Wartungsarbeiten. Unterm Strich liefert dieser gigantische Betonhaufen jährlich rund 95 Millionen Megawatt-Stunden, was im direkten Vergleich zum produktivsten Kernkraftwerk mit rund 13 Millionen Megawatt-Stunden noch imposanter wirkt.

Zurück in Ciudad del Este, fahre ich zu Karsten, ein weiterer Bruder von Maren, Klaus und Kai, der mich freundlicherweise ein paar Tage später mit seinem Vater zum Hafen namens Puerto Franco begleitet. Dieser liegt etwas außerhalb der Stadt und ist auch nicht leicht zu finden. Doch nach kurzer Suche erreichen wir ihn und ich verlasse am Dreiländereck mit Argentinien und Brasilien per Fähre das zum Teil unglaublich normale Paraguay. Quasi paranormal.
Normen

Oktober 15th, 2009 22:51
Hey Normen
Paraguay habe ich auch schon Besucht, mit dem Bus, es war vor etwa 6 oder 7 Jahren.
Und im Januar mit dem Moped auf der Durchreise
nach dem kleinen Südamerika Tripp!!!!!
Hey, wenn du rein zufällig am 23 bis 25 Okt. 09
in Guarapuava Parana Brasil sein solltest, so lade ich und alle anderen des Schwaben Moto Clubes dich zu unserem ersten Mini Elefanten Treffen ein!!!!!
Ansonsten warte ich gespannt auf weitere Reiseberichte. Gruss Robert
Januar 16th, 2010 10:40
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