Mail 30

Normens Weltreise 30 – Der Berg ruft!
Mail vom 14. Juni 2004

icon.jpgWie ihr ja alle wisst, ist der Kilimanjaro der hoechste Berg in Kenia. Doch nicht nur das, er ist sogar der hoechste in ganz Afrika! Hatte ich auch so in Erinnerung. Allerdings ist das so nicht ganz richtig. Ja, er ist der hoechste, aber er steht nicht in Kenia, sondern in Tansania. Und weil der mit 5895 recht hoch ist, kann man ihn natuerlich auch von Kenia aus sehen. Klingt komisch, is aber so. Doch genug der Nachhilfestunde in Sachen Erdkunde.

Der Berg ruft. Aber ein anderer. Der hoechste Kenias. Und dieser heisst ganz pfiffig einfach so wie das Land, damit es sich auch jeder merken kann: Mount-Kenia! – Verwechslung ausgeschlossen. Augustin kommt mit, damit ich erstens nicht alleine bin und ich zweitens so eine Art Tourguide mit mir herumschleppe. Das ist natuerlich Quatsch, da Augustin noch nie am Mount-Kenia, geschweige denn jemals in seiner Naehe war. Egal. Dafuer fahren wir seine Familie irgendwo im Busch hinter Kibwezi besuchen und darauf freue ich mich auch.

Damit ich mich nicht mit Details aufhalte: Wir haben die 325 Kilometer bis Kibwezi mit zwei Pausen einfach abgerissen und sind nun auf einer Piste unterwegs, auf denen wir frueher oder spaeter sein Heimatdorf erreichen werden. Auf die Frage, wieviele Kilometer es denn bis dahin seien, weicht Augustin aus. Das Abschaetzen von Kilometern haben die meisten Kenianer nie gerlernt, da sie ja nie ein Fahrzeug besessen haben. Macht ja auch nix, nur glauben darf man den Aussagen halt nicht. Wenn der Kenianer an sich behauptet, es seien „nur“ 2 Kilometer bis zum Strand, dann sind es mindestens 6. Schwamm drueber, nach genau 26 Kilometern haben wir das Doerfchen Kyanginywa tatsaechlich erreicht (Augustin schaetzte die Distanz auf knappe 10 Kilometer…) und dort habe ich dann seine Mutter und den Rest der Verwandschaft kennen gelernt.

Ein unglaublich schoenes Fleckchen Erde, dass so richtig nach dem Afrika aussiet, das man uns stets in Fernsehfilmen weiss machen will. Hier ist es echt. Und schoen. Doch als ich mir die kleinen Huetten ansehe und mir die Leute angucke, die hier angeblich wohnen, komme ich zu der Schlussfolgerung, dass hier unmoeglich noch Platz fuer mich und Augustin ist.

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Kein Problem, Augustin schlaeft auf dem blanken Boden in der Huette seines Bruders. Ich frage plump nach, was denn mit der leeren Huette da drueben sei. „Das ist die Kueche!“ – Und, frage ich, wo ist das Problem? (siehe Bild 2857) Wir machen das Feuer aus und ich leg mich mit Matte und Moskitonetz da rein…
Am naechsten Morgen stehen Nachbarn und Verwandte auf der virtuellen Matte und koennen sich selbst davon ueberzeugen: Ja es stimmt, Familie Munyao hat tatsaechlich einen Mzungu zu Gast, der auf dem Kuechenboden uebernachtet hat! (siehe Bild 2944) Offensichtlich ein Ereignis, von dem die Zeugen wohl noch in zehn Jahren am Lagerfeuer berichten werden. Am naechsten Tag gehen wir am Athi River baden (siehe Bild 2848), obwohl dort vor einigen Tagen noch Hippos zu sehen waren. Und als Afrika-Tourist sollte man wissen, dass das Nilpferd das gefaehrlichste Tier des gesamten Kontinents ist. Jaehrlich sterben mehr Menschen durch Angriffe der Hippos, als durch Loewen und Haie zusammen!

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Aber ich will nicht Abschweifen, schließlich wollt ich hier die Mount-Kenya-Story erzaehlen. Auf geht’s nach Kitui und dann nach Embu (siehe Bild 2861). Dort werden wir wieder auf eine geteerte Strassen treffen. 300 Kilometer Piste liegen zunaechst vor uns und tatsaechlich viele Stunden spaeter hinter uns. Sandig, staubig und steinig war’s. Ich frage mich beim Schreiben dieser Geschichte gerade, ob ich ueberhaupt irgendwas aufregendes zu berichten habe? Klar koennte ich jetzt die ganzen Staedtenamen aufzaehlen, die wir auf dem Weg zum „Berg“ passiert haben, aber nachpruefen koennt Ihr das auch nicht.

mail30_07.jpgDaher wende ich mich nun den Ereignissen zu, die diesen Ausflug gepraegt haben. Also, kurz hinter Embu, einer kleinen, aber zu meiner Ueberraschung relativ schoenen Stadt am Fusse des Mount-Kenyas, geschah folgendes: Ein Mann mit seinem Fahrrad setzt schiebend zum Ueberqueren der Strasse an. 100 Meter vor ihm erblickt er mich, wartet, geht nun doch bis zur Mitte der Fahrbahn weiter und beobachtet mich. Bis jetzt also ganz vorbildlich, wie aus dem Verkehrsunterricht. Dann aber, als ich ihn beinahe passiert habe, laeuft er los!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!?

Mir bleibt etwa eine halbe Sekunde Zeit zum Ausweichen, Bremsen oder Beschleunigen! Ich entscheide mich unbewusst und Fallbezogen fuer Gas geben und Ausweichen auf den Seitenstreifen, der dummerweise einen halben Meter tiefer liegt, auf dem nasser Schlamm liegt und von einem Bachbett parallel begleitet wird. Das Ergebnis ist folgendes: POCK – hoerte ich, sah in den Rueckspiegel, sah ein Fahrrad davonfliegen, sah einen Mann auf der Strasse liegen, sah mich im Drift kurz vor’m auf’s Maul legen, sah das Bachbett naeher kommen und sah mich aber schlussendlich am Strassenrand parken!!! Augustin jammert, er hat Schmerzen. Kein Wunder, das Fahrrad hat meine rechte Alu-Box erwischt, und damit auch meinen Sozius am Knie und Fuss.

Der Deckel der Box liegt auf der Strasse, der an sich rechteckige Behaelter gleicht einem seltsam deformierten Parallelogramm, etwas Gepaeck liegt ebenfalls am Rand. Ich renne zu dem Typen, trage ihn auf die Wiese, nehme das Fahrrad von der Strasse und kuemmere mich um den Verletzten. Nein, nein, wir sind nicht alleine auf dieser Strasse, rund 30 Schaulustige haben sich rund um den Verletzten versammelt – und machen natuerlich nix!

Wie auch immer, das Fahrrad kann man zur Haelfte wegschmeissen, der Typ behauptet, gleich ueberall schmerzen zu haben und die Leute kommen lediglich auf die Idee, uns zur naechsten Polizeiwache zu schleppen, da man nun schließlich einen „Policereport“ schreiben muesse.

Und da erinnerte ich mich ploetzlich an folgenden Ratschlag: Wenn Du einen Unfall hast, sorge dafuer, dass unter KEINEN Umstaenden die Polizei kommt. Fahrerflucht ist in vielen Faellen sogar mehr als angemessen, um einer Lynchjustiz zu entkommen. Aber nicht in Kenia. Hier wuerde das Rufen der Polizei folgendes verursachen: Die am Unfall beteiligten Fahrzeuge werden sichergestellt, bis der fertige Untersuchungsbericht vorliegt. Das dauert im Regelfall so drei bis vier Monate und nichts kann diesen Vorgang Beschleunigen. Vorher muss man eine Kaution bezahlen, die richtig teuer ist, und die man angeblich spaeter wieder zurueckbekommt. Da die Polizei hier allerdings mehr als korrupt ist, gibt das spaeter mit der Erstattung der Kaution garantiert nichts. Ich verliere also nicht nur viel Geld, sondern auch fuer vier Monate mein Moped – was fuer meine Weltreise eher schlecht waere.

Augustin und ich ueberzeugen die Leute, dass wir den Typen erst zur medizinischen Behandlung ins Krankenhaus bringen wollen, und anschliessend erst zur Polizei gehen, da der Mann schließlich verletzt ist und dringender aerztliche Hilfe als einen Unfallbericht braucht. Dummerweise kommt einer der Zuschauer auf die Idee mitzukommen. Nach dem Einliefern im Krankenhaus bestaetigt sich Augustins verdacht:

Der Typ und sein Kumpane wollen Geld sehen. Viel Geld. Ich erklaere ihm, dass er den Unfall verursacht hat und ein Polizeibericht ihm gar nichts bringt. Im Gegenteil, er sei Schuld und wenn wir nun zur Polizei fahren, bekommt er ueberhaupt nichts von mir, ausser Aerger.

Der „zufaellige“ Beobachter-Kumpel entwickelt sich zum Geschaeftsmann. Augustin dagegen zum besten aller Preisdruecker. Wir einigen uns – trotz meiner Unschuld – auf ein Viertel der geforderten Summe: 5000 Schilling fuer Fahrrad-Reparatur und Arztkosten. Ich lasse unauffaellig einige Scheine verschwinden, druecke ihm 2000 in die Hand und verabreden uns, ihm Morgen den Rest zu zahlen, da die Banken nun geschlossen haben und ich nichts mehr habe. Die beiden stimmen zu wir brausen davon und wurden nie mehr in Embu gesehen…

Noch bevor diese Mount-Kenia-Geschichte zu ende ist, habe ich schon eine ganze Menge gelernt: In Afrika ist alles moeglich; es gibt Menschen, die sich absichtlich vor einen motorradfahrenden Mzungu werfen, um einen Unfall mit „Schmerzensgeld“ zu erzwingen; wenn jemand versucht dich zu bescheissen, sollte man es auch tun; und natuerlich sollte ich NOCH vorsichtiger zu sein. Vielleicht sollte ich in Zunkunft beim Anblick eines Strassenueberquerers eine Vollbremsung einleiten. Dann allerdings werde ich noch Jahre brauchen, um diesen Kontinent zu verlassen.

Doch ich will und werde mich nicht von solchen Ereignissen entmutigen lassen. Irgendwie addiert sich dieser Vorfall in meiner Rubrik: „Dinge, die einem auf einer Weltreise nunmal passieren.“ Darin befinden sich bereits: Motorradunfall durch Fremdeinwirkung (Der Reifencrash), Diebstahl aller Wertsachen inklusive Reisepass im Hotelzimmer (Nairobi), und nun ein inzinierter Unfall mit Personenschaden. Und es wird sicherlich nicht die letzte Aktion gewesen sein, die einem nunmal passiert.

Schluss mit tristen Geschichten, die Mail heisst nich umsonst „Der Berg ruft“ und nicht „Unvermeidbare Unfaelle mit irren afrikanischen Eingeborenen“ – zugegeben ein durchaus interessanter Titel fuer eine Mail, nicht wahr?

Augustin ist halbwegs in Ordnung, er humpelt, aber er meint, in ein paar Tagen ist wieder alles in Ordnung. In Chogoria nisten wir uns in ein einfaches Hotel ein, von dem aus ein Weg rauf zur „Meru-Mount-Kenia-Lodge“ fuehrt. Augustin erzaehlt mir, dass er zum ersten Mal in einem Hotel ist. Klar, ich lade ihn zum Essen ein, damit ist er ebenfalls zum ersten mal in einem richtigen Restaurant. Koennen wir Europaeer uns eigentlich vorstellen, wie das ist, solch scheinbar „natuerliche“ Dinge wie Hotel und Restaurant noch nie betreten zu haben?

Neuer Tag, neues Glueck. Nicht ganz. Denn als ich um 6 Uhr wach werde, regnet es in tropischen Sturzbaechen vom Himmel. Ich dreh mich wieder um. Als es um 9 Uhr immer noch regnet, kommen mir Zweifel, ob wir es ueberhaupt bis zur Lodge schaffen werden, die irgendwo auf 3500 Meter Hoehe liegt.

Aber bereits im Vorfeld aufzugeben, passt nicht wirklich zu mir. Der Regen hat aufgehoert, Augustin und ich eiern auf der beladenen Yamaha den Berg rauf. Fuer die ersten 5 Kilometer brauchen wir mehr als eine halbe Stunde. Dabei ist hier noch nicht einmal steil, sondern bloss schlammig (siehe Bild 2874).

Immer wieder steht die steht die XTZ quer zur Fahrtrichtung, da sich unter dem Schlamm Spurrinnen von Autos befinden. Aber selbst Allradfahrzeuge haben es nicht leicht. Einer ist in einen Graben gerutscht, ein anderer steckt einfach fest. So gut es geht kaempfen wir uns voran, bis sich der Untergrund aendert. Es wird steiniger und steiler. Prima denke ich mir, doch die vielen tiefen furchen machen jeden Kilometer zur schweisstreibenden Herausforderung. Schließlich gelangen wir in den Waldweg, der zur Huette fuehren soll. Doch nicht nur der Hinweis, dass ab hier 25 Dollar „Eintritt“ zu bezahlen sind, bremsen mich ein wenig, nein, es ist der Nebel und der Spruehregen der eingesetzt hat. Darueber hinaus steht auf einem Schild geschrieben, dass man genuegend Lebensmittel mitfuehren soll, da es in der Mountain-Lodge nichts zu essen gibt. Darauf gucke ich mir den Weg an: Glitschiger schwarzer Waldboden – und das weitere 20 Kilometer lang? Nee, nee, da muss ich wohl ein anderes Mal wiederkommen. Vielleicht in der Trockenzeit, alleine auf einer Einzylinder-Enduro. Aber so nicht. Wir drehen um.

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Enttaeuscht? Ein wenig. Bedingt durch das schlechte Wetter konnt ich ja noch nicht einmal den 5199 Meter hohen Batian von ganz unten sehen. Selbst der vorgelagerte Lenana (4985 Meter) taucht nicht hinter den Wolken auf. Wir jedenfalls ueberqueren nach Rueckkehr zur Strasse ganz unauffaellig den Aequator (siehe Bild 2886). Kein Schild weist auf den besonderen Ort hin. Die Frau, die genau an dieser Stelle ihre Bananen verkauft, glaubt mir nicht: „Dann wuerden die doch hier ein Schild aufstellen, oder?“ Zu meiner Verblueffung verkauft sie die Aequatorbanane fuer nur einen Cent pro Stueck. Augustin und ich essen soviel wir koennen. Sogar fuer ihn sind diese Bananen billig! Wenig spaeter erreichen wir die Stadt Meru. Nicht sonderlich aufregend oder schoen. Das Besondere jedoch ist das Mira, das ich in Mail Nummer 28 schon beschrieben habe. Hier wird es angebaut, hier kommt es frisch auf den Markt, von hier aus wird das ganze Land beliefert. Augustin kann es kaum fassen, wie billig es hier verkauft wird. Ich kaufe ihm ein grosses Buendel fuer 200 Schilling (2 Euro). In Ukunda haette er dafuer fast 800 Schilling bezahlen muessen, erzaehlt er mir freudestrahlend.

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Die Strasse, die sich kreisfoermig um den Mt-Kenya windet, ist in erstaunlich gutem Zustand. Dafuer ist es hier kalt. Trotz der Regenklamotten, koennte es hier ein wenig waermer werden, finde ich. Augustin friert sowieso. Fuer ihn ist es hier der absolute Winter. Doch der Berg bleibt wolkenverhangen unsichtbar. Als ploetzlich die Sonne durchkommt und ein gegenueberliegender Berg angestrahlt wird, entschliesse ich mich kurzerhand, einfach dort raufzufahren. Einfach ist etwas untertrieben. Ein schmaler Offroadweg fuehrt schnurstracks nach oben. Ohne Kurven, ohne Hindernisse. Nur steil ist es. So steil, dass ich mich beim Hochfahren ueber mein Cockpit beugen muss, damit das Vorderrad am Boden bleibt. Augustin krallt sich spuerbar an mir fest, stammelt was von „not possible“, ich antworte „we’ll see!“ und schaffen es tatsaechlich bis auf den Gipfel (siehe Bild 2893). Auch hier gesteht mir Augustin: noch nie war er in solcher Hoehe (2800 Meter), noch nie hat er den Aequator ueberquert, noch nie hat er eine Motorradtour gemacht.

Die zweite Aequatorueberquerung, diesmal von noerdlicher in suedlicher Richtung, sieht anders aus. Schilder weisen auf die Besonderheit hin, es gibt entlang der breiten Strasse sogar eine Haltebucht fuer Busse und Autos, damit die vorbeifahrenden Touris auch brav ihr Bild machen koennen. Ein besonders pfiffiger Typ will mir unbedingt den Links-Rechts-Drehwassertrick zeigen.

Ich: „Klar, leg los!“

Typ: „Vorher bekomme ich aber noch eine „Vorfuehrgebuehr“ von 300 Schilling!“

Ich: „Dafuer kann ich mir ja 300 Bananen kaufen!“

Typ: „OK, dann halt nicht. Aber dann zeig mir mal das GPS-Geraet und erklaer es mir!“

Ich: „Gegen eine Vorfuehrgebuehr von 300 Schilling erklaere ich Dir alles, was Du willst!“

Typ: „Was, 300 Schilling? Das ist viel zu teuer!“

Ich: „OK, ich mach Dir folgendes Angebot: Du zeigst mir Deinen Trick, und ich zeige Dir dafuer meinen GPS-Apparat.“

Typ: „Kein Problem, fuer 300 Shilling zeig ich Dir den Trick!“ -

Er hat’s nicht verstanden…

Wir bleiben noch zwei Tage in der Gegend, doch der Berg will und will sich einfach nicht zeigen. Daher geht’s wieder zurueck in Augustins Heimatdorf. Vorher haben wir in Nairobi fuer mehr als 1000 Schilling eingekauft, um seine Mutter erneut zu ueberraschen. In der Tat kann sie es nach unserer Ankunft kaum fassen, was wir da alles aus unserem Gepaeck fuer sie herauskramen: 5 Liter Milch, 3 Kilogramm Zucker und 3 Kilo Kekse. Ahhhh, Kekse, sagt sie und erwaehnt dabei gleichzeitig, dass sie schon seit fuenf Jahren keine mehr gegessen hat!

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Zwei Tage verbringen wir wieder in Kyanganiywa, ich schlafe erneut in der „Kueche“, wir trinken lecker Chai (siehe Bild 2952), besuchen Freunde und Verwandte, die mich zum Eintritt in den lokalen Trommelclub einladen (siehe Bild 2980). Es ist echt interessant in diesem Ort zu sein, da sich das Leben dort so absolut von unserem in den Staedten Europas unterscheidet. Niemand hat ein Telefon, einen Stromgenerator koennen sich nur eine Handvoll Geschaeftsleute leisten, Autos und Mopeds – niemand besitzt eines. Wer in die naechste Stadt will, muss auf eines der teuren Offroad-Taxis warten. Und die kommen nur drei Mal in der Woche. Auch die Tatsache, dass wir hier ohne Strom und fliessend Wasser hocken, beeinflusst dieses schoene Erlebnis nicht. Wir sitzen auf dem gefegten Boden zusammen, erzaehlen Geschichten und werden vom Mondlicht extrem hell angestrahlt. Wer braucht da noch elektrisches Licht? Und wuerde ein Fernseher oder ein Radio nicht ebenfalls diese Atmosphaere stoeren?

mail30_11.jpgBevor wir uns tatsaechlich wieder auf den Weg nach Mombasa machen, will Mama Munyao auf meinem Moped platznehmen. Vorsichtshalber fragt sie nochmal nach, ob das „Ding“ auch nicht einfach mit ihr losfahren koenne. Als ich ihre Bedenken beseitige, ist das Familienfoto der besonderen Art faellig: alle zusammen mit dem riesen „Piki-piki“ (Kisuaheli fuer Motorrad) des Mzungus (siehe Bild 2957). Und weil der Offroadweg zur Hauptstrasse mit so vielen schoenen Baobab-Baeumen gesaeumt ist, das Licht stimmt und auch der blaue Himmel so prima aussieht, halten wir das letzte Mal und machen einen „Sack“ voller Fotos (siehe Bild 3004).

Ich bin davon ueberzeugt, dass sich die Tour trotz des „Unfalls“, trotz eines nicht gesehenen Mount-Kenyas und rund 1800 gefahrenen Kilometern gelohnt hat. Was meinst Du?

Normen

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